Am ORF Mediencampus wurde am 20. März 2026 der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis verliehen. Bereits zum fünften Mal zeichnet der von LICHT INS DUNKEL initiierte Preis journalistische Beiträge aus, die die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen sichtbar machen und Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe einordnen.
Insgesamt gab es 71 Einreichungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. 41 Beiträge kamen aus Deutschland, 37 aus Österreich und 3 aus der Schweiz. Die Jury sichtete und bewertete die Beiträge in den Kategorien Printmedien, Radio, Fernsehen und Digitale Medien.
Auszeichnungen in vier Kategorien
In der Kategorie Printmedien wurde Franziska Pröll für ihren Beitrag „Wie viel Inklusion passt in ein Gymnasium?“ ausgezeichnet. Das Ö1 Radiokolleg erhielt den Preis in der Kategorie Radio für die Sendereihe „In Eigenregie leben“. In der Kategorie Digitale Medien wurden Janina Bauer, Marc Engelhardt und Hanna Fröhlich für „Achtung Barriere! Stadt als Gefahrenzone“ prämiert. Mareike Müller wurde in der Kategorie Fernsehen für ihren Beitrag „Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren“ ausgezeichnet.
Zusätzlich sprach die Jury Anerkennungen in allen vier Kategorien aus.
Kategorie Printmedien
Die Jury vergab den Preis an Franziska Pröll für ihren Beitrag „Wie viel Inklusion passt in ein Gymnasium?“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Franziska Pröll, Gewinnerin in der Kategorie Printmedien, mit Juror*innen Gabriele Falböck und Fritz Hausjell, Sektionschef Martin Zach und LICHT INS DUNKEL-Präsidentin Ines Stilling
© ORF/Klaus Titzer
„Die diesen Prozess begleitende Reportage (…) zeigt, dass Journalismus nicht nur gesellschaftliche Probleme benennen, sondern auch konstruktive Lösungen aufzeigen kann. Problems scream, solutions whisper. Guter Journalismus muss nicht laut und plakativ sein, er kann leise sagen, was ist und wie es sein könnte. Franziska Prölls Beitrag zeigt auf, dass Journalismus auch Mut machen kann.“ (Jurorin Gabriele Falböck)
Kategorie Radio
Für die vierteilige Sendereihe „In Eigenregie leben“ (Teil1, Teil2, Teil3, Teil4) ging der Preis an das Ö1 Radiokolleg, Redaktionsteam: Christoph Dirnbacher, Lara Egger, Melissa Felsinger, Cornelia Hehn, Sandra, Knopp, Michael Kola, Anna Celine Mark, Katharina Müllebner, Katharina Reiner, Dominic Schmid, Udo Seelhofer, Lisa Steiner, Marietta Trendl, Helen Zangerle.

Mitglieder der inklusiven Ö1-Radiokolleg Spezial-Redaktion als Gewinner*innen in der Kategorie Radio mit Ulla Ebner und Juliane Nagiller, die das Team koordinieren, sowie den Juroren Martin Ladstätter und Fritz Hausjell, LICHT INS DUNKEL-Präsidentin Ines Stilling und Sektionschef Martin Zach
© ORF/Klaus Titzer
„Den Radiomacherinnen und Radiomachern gelingt es, sehr persönliche und emotionale Zugänge für hochpolitische Themen zu finden. Es gelingt ihnen, die gesellschaftspolitische Relevanz von individuellen Herausforderungen aufzuzeigen. Und es gelingt ihnen, das existentielle Bedürfnis nach Freiheit und Selbstständigkeit bei gleichzeitigem Angewiesensein auf andere für alle Menschen – egal ob behindert oder nicht – zu verdeutlichen!“ (Jurorin Barbara Krenn)
Kategorie Digitale Medien / Podcast
Janina Bauer, Marc Engelhardt und Hanna Fröhlich überzeugten mit dem Beitrag „Achtung Barriere! Stadt als Gefahrenzone“ (CORRECTIV.Schweiz)

Marc Engelhardt und Janina Bauer, Gewinnerinnen in der Kategorie Online mit Juror*innen Ivana Veznikova und Fritz Hausjell sowie LICHT INS DUNKEL-Präsidentin Ines Stilling
© ORF/Klaus Titzer
„Deutlich und ungeschönt, aber immer respektvoll gegenüber den Menschen, werden hier verschiedene, oft unsichtbare Barrieren nicht nur aufgezeigt, sondern durch moderne Technologien auch nachvollziehbar gemacht. Darin liegt die besondere Stärke dieses Beitrags: Nur wenn Barrieren wahrgenommen und ihre Folgen verstanden werden, entsteht auch der Wille, sie zu beseitigen.“ (Jurorin Ivana Veznikova)
Kategorie Fernsehen
Mareike Müller erhielt mit dem Beitrag „Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren“ (ARD) den Preis in der Kategorie Fernsehen.

Mareike Müller, Gewinnerin in der Kategorie Fernsehen mit Juroren Martin Ladstätter und Fritz Hausjell sowie LICHT INS DUNKEL-Präsidentin Ines Stilling
© ORF/Klaus Titzer
„Meist sehen wir in den Medien nur eindimensionale Bilder von dankbaren Werkstattbeschäftigten bei Bastelarbeiten. Ihr Film zeigt ein anderes, differenziertes Bild. Er zeigt junge, inklusiv aufgewachsene Menschen mit Behinderung, die von echter Arbeit und Teilhabe träumen. Ein System aus Sonderstrukturen, Bürokratie und Vorurteilen zwingt sie, hart um ihr Recht auf Selbstbestimmung zu kämpfen.“ (Juror Martin Ladstätter)
Zusätzlich wurden anerkennende Würdigungen ausgesprochen
- Printmedien: Jana Petersen „Meine Demo im Liegen“ (wochentaz)
- Radio: Georg Pöchhacker „Sport ohne Hürden: Wie barrierefreie Bewegung für Kinder und Jugendliche gefördert werden kann“ (Ö1)
- Digitale Medien / Podcast: Anna Celine Mark „Inklusive Medizin: Gesundheits-Behandlungen ohne Hindernisse“ (ORF Topos)
- Digitale Medien / Podcast: Patricia Pantel „Kakadu Kinderpodcast ‚Wozu brauchen wir Mut‘“ (Deutschlandfunk Kultur)
- Fernsehen: Birthe Franke „Stark machen für Inklusion“ (ZDF)
Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe
Vertreterinnen der beteiligten Organisationen betonten die Bedeutung des Preises.
Ines Stilling, Präsidentin des Vereins LICHT INS DUNKEL, erklärte: „Mit dem Herbert Pichler-Inklusions-Medienpreis möchten wir als Verein LICHT INS DUNKEL Inklusion sichtbarer und hörbarer machen. Der Preis würdigt Beiträge, die in jeder Hinsicht beispielgebend für Inklusion sind und so dazu motivieren, aufeinander zuzugehen und einander zu verstehen.“
Ingrid Thurnher, interimistische Generaldirektorin des ORF, verwies auf die Rolle der Medien: „Der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis ist eine wichtige Anerkennung für Kolleginnen und Kollegen, die mit ihrer Arbeit zeigen: Inklusion ist kein Randthema, sondern gehört in die Mitte unserer Berichterstattung und unserer Gesellschaft.“
Lisa Zuckerstätter, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting, betonte: „Die Gewinnerinnen und Gewinner zeigen auf besonders eindrucksvolle Weise, wie wichtig journalistische Arbeit ist, die Barrieren abbaut und Menschen in all ihrer Vielfalt sichtbar macht. Inklusion ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Auftrag verantwortungsvoller Berichterstattung.“
Martin Zach, Sektionschef der Abteilung 4 im Sozialministerium, betonte die Rolle der Medien für die gesellschaftliche Wahrnehmung: „Medien beeinflussen, wie wir über Menschen mit Behinderungen denken und wie wir sie sehen. Inklusion ist kein abstraktes Ziel, sondern tägliche Arbeit. Barrieren bestehen in den Köpfen, in Strukturen und in der öffentlichen Wahrnehmung.“
Martin Ladstätter, Vizepräsident des Österreichischen Behindertenrats und Jurymitglied, verwies auf die gesamtgesellschaftliche Dimension: „Inklusion darf nicht nur Thema für Menschen mit Behinderungen bleiben. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“
Fritz Hausjell, Universitätsprofessor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, Jurymitglied und Moderator der Veranstaltung, unterstrich die Bedeutung qualitätsvoller Berichterstattung: „Es braucht guten, differenzierten und jedenfalls öffentlich-rechtlichen Journalismus.“
Barbara Krenn, Hauptabteilungsleiterin Religion und Ethik multimedial im ORF und Jurymitglied, hob hervor, dass gelungene Beiträge komplexe Themen verständlich machen: „Den Radiomacherinnen und Radiomachern gelingt es, sehr persönliche und emotionale Zugänge für hochpolitische Themen zu finden. Es gelingt ihnen, die gesellschaftspolitische Relevanz von individuellen Herausforderungen aufzuzeigen.“
Jury und Kriterien
Über die Vergabe entschied eine Fachjury mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Ihr gehörten Gabriele Falböck, Publizistik- und Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Wien und der Fachhochschule St. Pölten, Fritz Hausjell, emeritierter Universitätsprofessor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, Barbara Krenn, Hauptabteilungsleiterin Religion und Ethik multimedial im ORF, Martin Ladstätter, Vizepräsident des Österreichischen Behindertenrats, Ivana Veznikova, Moderatorin der Sendereihe „Perspektivenwechsel“ bei Okto TV, sowie Germain Weber, Vorstand von LICHT INS DUNKEL und Universitätsprofessor für Psychologie an der Universität Wien.
Die Jury bewertete die Einreichungen unter anderem nach der Behandlung zentraler Aspekte der UN-Behindertenrechtskonvention, diskriminierungsfreier Sprache, medialer Zugänglichkeit sowie nach journalistischer Qualität, Recherche und Reichweite.
Ein Preis für inklusive Berichterstattung
Der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis wird seit 2021 vergeben und ist mit 3.000 Euro pro Kategorie dotiert. Er wurde von LICHT INS DUNKEL nach einer Idee der ORF-Redakteurin Čedomira Schlapper ins Leben gerufen. Der Preis erinnert an Herbert Pichler, den früheren Präsidenten des Österreichischen Behindertenrats, und soll die Aufmerksamkeit für das Thema Inklusion erhöhen.
Gefördert wird der Preis vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport.