Der 27. Jänner ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. An diesem Datum befreite die sowjetische Armee im Jahr 1945 die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Bis dahin ermordeten die Nationalsozialisten dort mehr als eine Million Menschen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen legte diesen Tag als internationalen Gedenktag fest. Er wird seit 20 Jahren weltweit begangen. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurden Millionen von Menschen ermordet. Zu den Opfern zählten auch hunderttausende Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Unter dem Begriff der sogenannten „Euthanasie“ organisierten die Nationalsozialisten systematische Tötungen.
Im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ wurden Kinder, Frauen und Männer zwangssterilisiert und ermordet. Aus Heil- und Pflegeanstalten deportiert, starben viele Menschen in speziellen Tötungsanstalten oder durch Hunger, Vernachlässigung und medizinische Experimente.
In Österreich war unter anderem Schloss Hartheim ein zentraler Tatort dieser NS-Medizinverbrechen. Viele der Betroffenen gerieten nach 1945 lange in Vergessenheit. Der Holocaust-Gedenktag ist daher auch ein Tag des Erinnerns an Menschen mit Behinderungen, die Opfer dieser Verbrechen wurden.
Holocaust-Gedenktag im Haus der Geschichte Österreich
Auch 2026 nimmt das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) diesen Tag zum Anlass, zur Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten, mit der österreichischen Mitverantwortung und mit Erinnerungskultur einzuladen. Am 27. Jänner 2026 ist der Eintritt ins Museum frei. Um 11:00, 14:00 und 17:00 Uhr finden kostenlose Kurzführungen mit dem Titel „Zeitgeschichte kompakt: Holocaust und Erinnerung“ in der Hauptausstellung „Neue Zeiten: Österreich seit 1918“ statt.
Darüber hinaus ist im Museumsfoyer die künstlerische Installation „Eingestickt. Zur Erinnerung an 67 Menschen, die 1940 in Hartheim ermordet wurden“ zu sehen. Sie widmet sich Bewohner*innen der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt St. Josef-Institut in Mils in Tirol, die im Rahmen der NS-Medizinverbrechen in die NS-Tötungsanstalt Hartheim deportiert und dort mit Giftgas ermordet wurden. Viele von ihnen waren Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Ihre Lebensgeschichten wurden bereits vor ihrer Ermordung aus dem familiären und gesellschaftlichen Gedächtnis verdrängt. Mit bestickten Fotografien gibt die Installation den Ermordeten Namen und Sichtbarkeit.
Das hdgö versteht den Holocaust-Gedenktag als Anlass, an Opfer zu erinnern und Bildung zu Zeitgeschichte, Demokratie und Menschenrechten allen zugänglich zu machen. Wer nicht ins Museum kommen kann, findet auf der Website des hdgö Web-Ressourcen zu Nationalsozialismus, Antisemitismus und Fragen der Erinnerungskultur. Für Schulen stehen kostenlose Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.
Erinnerung in Leichter Sprache
Ein wichtiger Beitrag zu barrierefreier Erinnerungskultur ist das Buch „National-Sozialismus in Österreich in Leichter Sprache“ von Gunnar Mertz und Lina Maisel. Es ist die erste leicht verständliche Gesamtdarstellung der NS-Zeit in Österreich. Der Holocaust und der Zweite Weltkrieg werden darin in Leichter Sprache erklärt.
Das Buch richtet sich auch an Menschen mit Lernschwierigkeiten, funktionalem Analphabetismus oder eingeschränktem Sprachverständnis. Das Buchprojekt war inklusiv angelegt. Menschen mit Behinderungen wirkten in allen Phasen mit und prüften die Texte auf Verständlichkeit. Ein Fachbeirat begleitete das Projekt inhaltlich.
Gefördert wurde es vom Bundeskanzleramt, vom Sozialministerium sowie vom National- und Zukunftsfonds. Das Buch erschien 2025 im Haymon Verlag und ist kostenlos online abrufbar unter www.inklusiv-erinnern.at.

Inklusive Erinnerungsarbeit in Hartheim
Am Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim in Oberösterreich startete 2025 das Projekt „Unsere Geschichte(n)“. Für drei Jahre wird es durch Licht ins Dunkel gefördert. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen aktiv in die Erinnerungs- und Bildungsarbeit einzubeziehen und diese barrierefreier zu gestalten. Geplant sind unter anderem Angebote in Leichter Sprache, taktile Orientierungshilfen und inklusive Sicherheitskonzepte. Menschen mit Behinderungen wirken an der Vermittlungsarbeit mit und bringen ihre Perspektiven ein.
Der Holocaust-Gedenktag verdeutlicht, dass Erinnerung und Bildung für alle Menschen zugänglich sein müssen. Die Auseinandersetzung mit den NS-Medizinverbrechen an Menschen mit Behinderungen ist ein fester Bestandteil einer inklusiven Erinnerungskultur.

Service-Links
Haus der Geschichte Österreich