Am 13. Oktober 2026 fand im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten das sechste Dialogforum des Vereins LICHT INS DUNKEL statt. Unter dem Titel „Persönliche Assistenz: Menschenrecht oder Glückssache?“ tauschten sich Menschen mit und ohne Behinderungen, Selbstvertreter*innen sowie Vertreter*innen aus Politik, Behindertenorganisationen und Assistenzangeboten über die aktuelle Situation und notwendige Veränderungen aus. Der Österreichische Behindertenrat war mit Vizepräsident Martin Ladstätter und Geschäftsstellenleiterin Barbara Haider-Novak vertreten.
Persönliche Assistenz ermöglicht Menschen mit Behinderungen, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten. Dazu gehören grundlegende Entscheidungen darüber, wann sie aufstehen, was sie essen, wie sie ihre Freizeit verbringen oder wie sie ihren Arbeitsplatz erreichen. Obwohl das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist, hängt der Zugang zu Persönlicher Assistenz in Österreich weiterhin stark vom Wohnort, der Art der Behinderung und den jeweiligen Förderbestimmungen ab.
Unterschiedliche Regelungen erschweren den Zugang
Die Zuständigkeiten für Persönliche Assistenz sind zwischen Bund und Ländern aufgeteilt. Während der Bund unter anderem für Assistenz am Arbeitsplatz, in Bundesschulen und beim Studium zuständig ist, liegt die Verantwortung für Assistenz im Privatbereich bei den Bundesländern.
Besonders Menschen mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Behinderungen sind in manchen Bundesländern von entsprechenden Angeboten ausgeschlossen oder können diese nur im Rahmen einzelner Pilotprojekte nutzen. Auch die bewilligten Assistenzstunden und finanziellen Mittel reichen häufig nicht aus, um den tatsächlichen Unterstützungsbedarf abzudecken.
Forderungen nach bedarfsgerechter Persönlicher Assistenz
Beim Dialogforum diskutierten die rund 60 Teilnehmenden in acht Arbeitsgruppen über unterschiedliche Aspekte der Persönlichen Assistenz. Im Mittelpunkt standen vier zentrale Themenbereiche:
- Selbstbestimmtes Leben: Persönliche Assistenz soll allen Menschen offenstehen, die diese Unterstützung benötigen – unabhängig von Einkommen und Art der Behinderung.
- Bedarfsgerechter Zugang: Der tatsächliche Unterstützungsbedarf soll darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang Persönliche Assistenz gewährt wird.
- Zusammenarbeit auf Augenhöhe: Vertrauen, Wertschätzung und Ehrlichkeit bilden die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit zwischen Assistenznehmer und Persönlichen Assistent. Schulungsangebote können Assistenznehmer dabei unterstützen, ihre Rolle als Arbeitgeber wahrzunehmen.
- Einheitliche und durchlässige Systeme: Die bislang stark getrennten Regelungen für Persönliche Assistenz im Beruf und im Privatbereich sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig braucht es ein klareres Berufsprofil und mehr Bekanntheit für die Tätigkeit als Persönliche Assistent.
Die Diskussionen verdeutlichten, dass Persönliche Assistenz für viele Menschen eine wesentliche Voraussetzung ist, um außerhalb institutioneller Wohnformen selbstständig leben und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.
Dialog und Austausch für mehr Inklusion
Mit der Veranstaltungsreihe „Dialog – Inklusion – Leben“ schafft LICHT INS DUNKEL seit 2025 Raum für den Austausch über unterschiedliche Aspekte der Inklusion. Im Gegensatz zu klassischen Podiumsdiskussionen stehen die aktive Beteiligung der Teilnehmenden, unterschiedliche Perspektiven und die gemeinsame Entwicklung von Lösungsansätzen im Mittelpunkt.
Die Veranstaltung in St. Pölten war umfassend barrierefrei gestaltet. Neben baulicher Barrierefreiheit standen Gebärdensprachdolmetschung, Live-Untertitelung, eine induktive Höranlage, ein Ruheraum sowie eine grafische Zusammenfassung in einfacher Sprache zur Verfügung.
Die Ergebnisse und Forderungen aus den bisherigen Dialogforen sollen in die weitere Diskussion mit Interessenvertretungen einfließen. Zudem plant LICHT INS DUNKEL, ein Grundsatzpapier an die Sozialministerin, die zuständigen Landesrät*innen und die Behindertensprecher*innen der politischen Parteien zu übermitteln.
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