Am Vorabend des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen wurden zum achten Mal die Österreichischen Inklusionspreise vergeben. Gemeinsam mit den Österreichischen Lotterien zeichnet die Lebenshilfe Österreich Organisationen und Initiativen aus, die sich für Inklusion und den Abbau von Barrieren einsetzen. Der Inklusionspreis ist eine Initiative der Lebenshilfe Österreich und der Österreichischen Lotterien und würdigt Projekte, die Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen und ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft stärken.
Eine unabhängige Fach-Jury wählte aus zahlreichen Einreichungen in acht Kategorien jeweils eine Gewinnerin oder einen Gewinner aus. Alle Preisträgerinnen und Preisträger erhalten zusätzlich zur Trophäe ein professionell erstelltes Video. Den Förderpreis der Österreichischen Lotterien in Höhe von 10.000 Euro erhielt der Verein Right Now für Disability Leadership, den ersten inklusiven Führungskräfte-Lehrgang im deutschsprachigen Raum. Das Projekt Herzstück81, ein Angebot der Lebenshilfe Fürstenfeld in Ilz, wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
Die Preisverleihung fand erstmals in der Aula der Wissenschaften in Wien statt und wurde von ORF-Moderatorin Miriam Labus moderiert.
Seitens des Österreichischen Behindertenrates nahmen an der Preisverleihung Klaus Widl, Manuela Lanzinger, Martin Ladstätter, Franz Groschan, Rudolf Kravanja, Barbara Haider-Novak, Emil Benesch und Kerstin Huber-Eibl teil.

Stimmen zur Preisverleihung
Erwin van Lambaart, Generaldirektor der Österreichischen Lotterien, betonte die Bedeutung des Inklusionspreises. Er hob hervor, dass Menschen mit Behinderungen heute seltener an Grenzen stoßen und dass die zahlreichen Einreichungen ein starkes Zeichen für den Wert dieses Preises sind. Die Unternehmensgruppe der Lotterien setzt mit der Initiative Unser Einsatz für Österreich ein klares Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung.
Hanna Kamrat, Selbstvertreterin und Vize-Präsidentin der Lebenshilfe Österreich, unterstrich, dass die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie Inklusion gelingen kann. Gleichzeitig forderte sie die Politik auf, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein wirklich inklusives Österreich ermöglichen. Sparmaßnahmen, die zu Ausschluss führen, seien nicht akzeptabel.
Gewinner*innen des Inklusionspreises 2025

Förderpreis
Verein Right Now für Disability Leadership
An der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten startete am 31. Oktober 2025 der berufsbegleitende Universitätslehrgang „Disability Leadership“, der Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit bietet, ihre Führungskompetenzen zu stärken und ihre Perspektiven in Entscheidungspositionen einzubringen. Das Programm wird vom Verein Right Now in Kooperation mit der Universität durchgeführt und von Licht ins Dunkel gefördert. Insgesamt nehmen 25 Studierende aus ganz Österreich teil, rund zwei Drittel davon Frauen, die vielfältige Erfahrungen mitbringen und Perspektiven vertreten, die in Führungspositionen bislang oft unterrepräsentiert sind.
Bildung
Verein CUBIC für Inklusive Berufspraktika im Ausland
Bei den inklusiven Berufspraktika im Ausland arbeiten Jugendliche an echten Arbeitsplätzen und sammeln wertvolle Berufserfahrungen. Erstmals können auch Lehrlinge mit Teilqualifizierung oder verlängerter Lehre am Erasmus+-Programm teilnehmen. Sie erhalten individuelle Begleitung und eine sichere Organisation, stärken ihr Selbstvertrauen und lernen andere Kulturen kennen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie echte Inklusion in der beruflichen Bildung funktionieren kann, und dient als Vorbild für ganz Österreich.
Arbeit und Wirtschaft
IKEA Linz Haid für Karriere ohne Barriere
Das Projekt zeigt, dass Menschen mit und ohne Behinderung gut zusammenarbeiten können, wenn Arbeitsplätze barrierefrei gestaltet sind. Höhenverstellbare Schreibtische, barrierefreie Stempeluhren, flexible Arbeitszeiten sowie Workshops und regelmäßige Treffen fördern Inklusion und Austausch. So entsteht eine Arbeitskultur auf Augenhöhe, von der Mitarbeiterinnen und Kundinnen gleichermaßen profitieren – und die zeigt, dass Inklusion dauerhaft gelingen kann.
Medien und Kommunikation
Zitronenwasser FILM
Zitronenwasser FILM ist ein besonderes Projekt für inklusive Medienarbeit, bei dem seit 2008 Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Filme gestalten. Das Team um Ernst Spießberger arbeitet vor und hinter der Kamera, zum Beispiel bei der „Sendung ohne Barrieren“, in der Medien-Werkstatt der Lebenshilfe Wien oder in Animations-Workshops. Dabei entstehen barrierefreie Videos und Filme für soziale Projekte, Vereine und Privatpersonen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass inklusive Medienarbeit offen, kreativ und für alle zugänglich ist und macht Inklusion in der Öffentlichkeit sichtbar und verständlich.
Freizeit und Kultur
Literatur-Bootschaft Ohrenschmaus
Die Literatur-Bootschaft Ohrenschmaus zeigt, wie Inklusion in Kunst und Kultur gelingt: Menschen mit und ohne Lernschwierigkeiten arbeiten gemeinsam in einem Team, erhalten ein Gehalt und können ihre Stärken einbringen. Zusammen wird geschrieben, vorgelesen, moderiert und Workshops gestaltet, oft in Zusammenarbeit mit bekannten Kulturorten wie der Albertina oder dem Haus der Geschichte. Das Projekt macht Menschen mit Behinderungen sichtbar und zeigt, dass sie selbstverständlich zur Kultur in Österreich dazugehören. Die Literatur-Bootschaft Ohrenschmaus ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie Inklusion in Kunst und Kultur erfolgreich funktionieren kann.
Gesundheit
Adaptives und inklusives Yoga
Beim inklusiven Yoga kann jede Person mitmachen. Es spielt keine Rolle, wie alt jemand ist, welche Identität er oder sie hat oder ob eine Behinderung vorliegt. Das Angebot ist kostenlos und barrierefrei. Es findet bei Thalia Wien Mitte und an anderen öffentlichen Orten in Wien statt. Das Projekt gibt es seit 2019. Yoga verbindet hier Bewegung, Begegnung und Teilhabe.
Alle üben gemeinsam – am Stuhl, im Rollstuhl oder individuell angepasst. Besonders wichtig ist die Vielfalt: Es wird genderneutrale Sprache verwendet, es gibt neuro- und trauma-sensible Ansätze und Live-Untertitelung. Die Yoga-Lehrenden mit Behinderung sind selbst ausgebildet. So wird Gesundheit für alle Menschen zugänglich gemacht.
Technologie und Digitalisierung
Canon Austria für World Unseen
World Unseen macht Kunsterlebnisse barrierefrei und setzt neue Standards für inklusive Ausstellungen. Das Projekt zeigt Fotos auf eine neue Weise. Mit der Elevated-Print-Technologie werden die Bilder bis zu vier Millimeter hoch gedruckt. So kann man die Fotos nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Zusätzlich gibt es Tonaufnahmen und Informationen in Braille-Schrift. So können blinde, sehbeeinträchtigte und sehende Menschen Fotografie gemeinsam erleben.
Sonderpreis Lebenshilfe
Herzstück81 der Lebenshilfe Fürstenfeld in Ilz
Bei Herzstück81 im steirischen Ort Ilz arbeiten Menschen mit Behinderungen mitten im Ort. Das Projekt verbindet Arbeit, Tagesbegleitung und kreative Angebote. Es gibt Mode unter dem eigenen Label Herzstück81, Pop-up-Shops, Mitmach-Workshops und Kooperationen mit Schulen und lokalen Partnern.
Impressionen



Fotos: Österreichische Lotterien