Bei der UNIKATE Preisverleihung am 14. September 2026 wurden im Veranstaltungszentrum Catamaran in Wien sechs innovative Projekte ausgezeichnet. Junge Techniker*innen entwickelten gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen Lösungen, die Barrieren abbauen und mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Gleichzeitig feierte der Ideenwettbewerb sein 15-jähriges Bestehen.
Wie können technische Entwicklungen dazu beitragen, den Alltag von Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Schüler und Studierende im Rahmen des UNIKATE Ideenwettbewerbs. Bei der diesjährigen Preisverleihung präsentierten sechs Teams die Prototypen, die aus ihren Ideen entstanden sind.
UNIKATE wird vom Österreichischen Behindertenrat und der TU Wien mit Unterstützung der UNIQA Versicherungsverein Privatstiftung (UNIQA Stiftung) durchgeführt. Ein wesentliches Prinzip des Wettbewerbs besteht darin, Technologien nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern gemeinsam mit ihnen zu entwickeln.
15 Jahre gemeinsame Entwicklung
Zu Beginn der Veranstaltung blickten Peter Eichler von der UNIQA Stiftung, Behindertenrats-Präsident Klaus Widl und Paul Panek von der TU Wien auf 15 Jahre UNIKATE zurück. Durch den Nachmittag führte Moderatorin Marlene Krubner.


Peter Eichler, Vorstand der UNIQA Privatstiftung, Paul Panek von der TU Wien und Klaus Widl, Präsident des Österreichischen Behindertenrats, im Gespräch bei der UNIKATE Preisverleihung 2026. Foto: Barbara Haider-Novak
„UNIKATE zeigt seit 15 Jahren, wie wichtig es ist, technologische Lösungen nicht nur für, sondern gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen zu entwickeln“, betonte Widl.
Paul Panek von der TU Wien hob ebenfalls den partizipativen Ansatz hervor. Entscheidend sei, gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen Lösungen zu entwickeln, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch zur Lebenswirklichkeit passen und einen konkreten Bedarf oder Wunsch aufgreifen.
Widl machte zugleich deutlich, warum dieser Ansatz weiterhin notwendig ist. Neue Produkte und Technologien würden noch immer oft entwickelt, ohne Menschen mit Behinderungen ausreichend mitzudenken. Als Beispiele nannte er Waschmaschinen, die nur über Touchscreens bedienbar sind, schwer erreichbare E-Ladestationen und Pfandflaschenrückgabeautomaten mit einer Einwurföffnung in 1,60 Meter Höhe. „Bei UNIKATE lernen junge Menschen von Anfang an, wie es besser geht“, betonte Widl.
Peter Eichler verwies darauf, dass sich die technischen Möglichkeiten in den vergangenen 15 Jahren stark verändert haben. Manche Entwicklungen, die damals kaum vorstellbar waren, seien heute als Massenprodukte verfügbar, etwa Sprachassistenten. Dennoch gebe es weiterhin großen Bedarf an individuellen Lösungen. Eichler äußerte zudem die Hoffnung, dass UNIKATE auch in den kommenden Jahren fortgeführt werde.
Präsentation von sechs UNIKATEN
Anschließend präsentierten die sechs ausgezeichneten Teams ihre Entwicklungen. Nach jeder Vorstellung hatte auch das Publikum Gelegenheit, Rückmeldungen zum jeweiligen Projekt zu geben.
Die HTL Braunau war mit zwei Projekten vertreten. „Smart Home Vision“ ermöglicht es, Smart-Home-Anwendungen mithilfe von Gesten und Handzeichen zu steuern. „Safe Track“ beschäftigt sich mit sicheren Radausfahrten für Menschen mit Demenz.
Von der New Design University St. Pölten stammt „Olfactory Memory“. Das Projekt nutzt Gerüche und Bilder, um Menschen mit Demenz dabei zu unterstützen, Erinnerungen und persönliche Verbindungen wieder aufzurufen.
Das TGM, die Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien, präsentierte ebenfalls zwei Entwicklungen. Eine neu konzipierte „Trinkflasche“ entstand von und für Menschen mit Behinderungen. Das Projekt „Digitale Teilhabe“ setzt sich mit Barrieren auseinander, die Menschen bei der Nutzung digitaler Angebote begegnen.
Mit dem „Blindenstock 2.0“ entwickelte die HTL Hollabrunn eine Verbindung zwischen Langstock und Rollator. Die technische Lösung soll Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderungen zusätzliche Unterstützung bei ihrer Mobilität bieten.
Ausprobieren und Austausch
Nach den Präsentationen sprachen Katharina Werner und Paul Panek von der TU Wien über den Ideenwettbewerb. Im Anschluss erhielten die ausgezeichneten Teams ihre Urkunden.

Preisträger*innen bei der UNIKATE Preisverleihung 2026 mit Filip Kisiel (Uniqa Stiftung), Katharina Werner (TU Wien) und Behindertenrats-Präsident Klaus Widl, Foto: Barbara Haider-Novak
Mit der Preisverleihung war der Nachmittag noch nicht beendet. Ab 16 Uhr konnten die Besucher*innen die sechs Prototypen an eigenen Stationen kennenlernen und ausprobieren. Dabei bestand Gelegenheit, direkt mit den Entwickler*innen ins Gespräch zu kommen.
Eine weitere Station war dem Austausch zwischen Menschen mit Behinderungen sowie Schüler*innen und Studierenden gewidmet. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche technologischen Entwicklungen Menschen mit Behinderungen benötigen und wie daraus gemeinsam neue Projekte entstehen können.
Auch Open Source und Makerspaces spielten eine Rolle. Johannes Střelka-Petz vom Metalab Wien zeigte anhand der Braille-Tastatur „Oskar“, wie frei verfügbare Baupläne den Zugang zu assistiven Technologien erleichtern können. Menschen mit Blindheit können die Tastatur auf dieser Grundlage selbst zusammenbauen.
Die Veranstaltung war barrierefrei gestaltet. Sie wurde in Österreichische Gebärdensprache übersetzt, zusätzlich stand online Schriftdolmetschung zur Verfügung. Die Preisverleihung konnte außerdem per Livestream verfolgt werden.
Nach 15 Jahren zeigt UNIKATE weiterhin, welches Potenzial entsteht, wenn technisches Wissen und die Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen zusammenkommen. Der Wettbewerb macht deutlich: Gute assistive Technologien beginnen nicht erst beim fertigen Produkt, sondern bei der gemeinsamen Entwicklung auf Augenhöhe.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem ÖGB für die Zurverfügungstellung der barrierefreien Räumlichkeiten im Catamaran.