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Startseite › Aktuelles › News › AK-Studie zeigt Probleme bei PVA-Begutachtungen

AK-Studie zeigt Probleme bei PVA-Begutachtungen

11. März 2026

Viele Menschen, die einen Antrag auf Pflegegeld oder auf eine Invaliditäts- oder BU-Pension stellten, erleben Untersuchungen als belastend, respektlos und schwer nachvollziehbar.

Ärztin mit weißem Kittel, rotem Dutt, Brille und Stethoskop. Foto: Pixabay/Tumisu
Für den Großteil der Beschäftigten in Oberösterreich ist die PVA beim Pflegegeld sowie bei der Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension die zuständige Stelle. Viele empfinden den Begutachtungsprozess durch die PVA als belastend, respektlos und intransparent. Das zeigt eine Erhebung unter 817 Antragsteller*innen, die FORESIGHT im Auftrag der AK Oberösterreich durchgeführt hat.

Eine aktuelle Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK) untersucht Erfahrungen von Menschen, die bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) einen Antrag auf Pflegegeld oder auf eine Invaliditäts- beziehungsweise Berufsunfähigkeitspension gestellt haben. Die Ergebnisse zeigen deutliche Probleme im Begutachtungsprozess. Viele Betroffene berichten von belastenden Untersuchungssituationen, mangelnder Transparenz und Entscheidungen, die für sie nicht nachvollziehbar sind.

Studie mit 817 Betroffenen

Das Forschungsinstitut Foresight führte die Untersuchung im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich durch. Befragt wurden 817 Personen, die in den vergangenen zehn Jahren einen Antrag auf Pflegegeld oder eine Invaliditäts- beziehungsweise Berufsunfähigkeitspension gestellt haben. Ziel der Studie war es, systematisch zu erfassen, wie Antragsteller*innen den Begutachtungsprozess bei der PVA erleben. Die Ergebnisse wurden am 10. März 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Für viele Beschäftigte in Oberösterreich ist die PVA die zuständige Stelle für die Begutachtung bei Pflegegeld sowie bei Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension. Entsprechend große Bedeutung haben die medizinischen Gutachten für den Zugang zu sozialstaatlichen Leistungen.

Untersuchungssituation wird häufig negativ erlebt

Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Untersuchungssituation selbst. Viele Befragte beschreiben die Begutachtungen als belastend und teilweise respektlos.

70 Prozent der Antragsteller*innen auf Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension gaben an, die Untersuchung als wenig oder gar nicht respektvoll erlebt zu haben. Bei Anträgen auf Pflegegeld liegt dieser Anteil bei 42 Prozent.

In den Erfahrungsberichten schildern Betroffene unter anderem einen sehr unfreundlichen oder strengen Ton während der Untersuchung. Einige berichten von Anschreien, unpassenden Bemerkungen oder dem Eindruck, dass ihnen unterstellt wurde, ihre Beschwerden zu simulieren. Andere hatten das Gefühl, dass Gutachter*innen bereits mit einer vorgefassten Meinung in die Untersuchung gingen.

Mehrere Befragte berichten auch davon, dass ihre medizinischen Unterlagen oder Befunde nur unzureichend berücksichtigt wurden.

Belastende und intime Untersuchungssituationen

Besonders schwierig empfinden viele Antragsteller*innen bestimmte Anforderungen während der Begutachtung. Bei Pflegegeld-Anträgen berichten einige Befragte, dass sie intime Tätigkeiten wie den Toilettengang oder das Duschen vorführen sollten. Für viele Betroffene ist dies mit großer Scham verbunden.

Auch beim Thema Begleitpersonen zeigt die Studie Probleme. Acht Prozent der Befragten bei Pflegegeld-Anträgen berichten, dass eine Begleitperson nicht erwünscht oder sogar verboten gewesen sei. Bei Anträgen auf Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension lag dieser Anteil bei 30 Prozent.

Gerade für Menschen mit gesundheitlichen Problemen kann eine Begleitperson jedoch eine wichtige Unterstützung während der Untersuchung sein.

Sinkende Zuerkennungsquoten

Die Studie weist auch auf strukturelle Entwicklungen bei den Pensionen hin. Die Zugangskriterien für Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspensionen wurden in den vergangenen Jahren verschärft.

In Oberösterreich sank die Zuerkennungsquote seit dem Jahr 2010 deutlich. Während damals noch 37,5 Prozent der Anträge bewilligt wurden, lag die Quote zuletzt bei 21,9 Prozent.

Auch beim Pflegegeld zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Jahr 2024 wurden in Oberösterreich 65,3 Prozent der Anträge bewilligt. Bei Anträgen auf eine Erhöhung des Pflegegeldes lag die Bewilligungsquote bei 59,1 Prozent.

Viele Entscheidungen werden vor Gericht korrigiert

Die Arbeiterkammer Oberösterreich begleitet viele Betroffene auch in Gerichtsverfahren gegen die PVA. Die Zahlen zeigen, dass Entscheidungen häufig nachträglich korrigiert werden.

Im Jahr 2025 führte die AK mehr als 2.500 Gerichtsverfahren gegen die PVA Oberösterreich. Insgesamt konnten dabei rund 70,35 Millionen Euro für die Betroffenen erstritten werden.

Besonders deutlich zeigt sich das bei Pflegegeld-Einstufungen. 599 Verfahren wurden im Jahr 2025 zugunsten der Antragsteller*innen entschieden. Das bedeutet, dass Sozialgerichte häufig eine höhere Pflegegeldstufe feststellten als zuvor von der PVA angenommen.

Schwere Folgen für Betroffene

Abgelehnte Anträge haben für viele Menschen erhebliche Konsequenzen. Einige Befragte berichten von finanziellen Problemen oder davon, dass sie trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterarbeiten müssen. In manchen Fällen verlieren Betroffene auch den Zugang zu wichtigen sozialen Leistungen.

Die Studie zeigt außerdem, dass Menschen in schwierigen sozialen Situationen die Begutachtungen besonders häufig als respektlos erleben.

Verbesserungsbedarf im Begutachtungsprozess

Die Auswertung der Befragung deutet darauf hin, dass viele Probleme nicht nur auf einzelne Fehlentscheidungen zurückzuführen sind, sondern auf strukturelle Schwächen im Begutachtungsprozess.

Zu den häufig genannten Problemen zählen unter anderem:

  • fehlende Transparenz bei Entscheidungen
  • unzureichende Berücksichtigung vorhandener medizinischer Unterlagen
  • zu wenig Zeit für Untersuchungen
  • unklare Kriterien für die Beurteilung
  • respektloser Umgang in einzelnen Untersuchungssituationen

Die Studie zeigt auch, dass eine bessere Kommunikation, nachvollziehbare Begründungen und ausreichend Zeit für Untersuchungen die Situation für viele Betroffene deutlich verbessern könnten.

Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich

Auf Grundlage der Studienergebnisse fordert die Arbeiterkammer mehrere Änderungen im Begutachtungsprozess. Dazu gehören Schulungen für Gutachter*innen mit einem stärkeren Fokus auf respektvolle Kommunikation, Unvoreingenommenheit und Antidiskriminierung.

Außerdem fordert die AK eine bessere Information der Antragsteller*innen über ihre Rechte. Dazu gehört etwa der Hinweis, dass eine Begleitperson zur Untersuchung mitgenommen werden kann.

Darüber hinaus spricht sich die Arbeiterkammer für mehr Transparenz bei Daten und Entscheidungsgrundlagen aus. Langfristig fordert sie auch eine eigenständige Begutachtungsstelle, die organisatorisch von der PVA getrennt ist.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Antragsteller*innen die Begutachtungen als belastend erleben. Verbesserungen im Verfahren könnten dazu beitragen, den Zugang zu sozialen Leistungen transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten.

Service-Link

Studienbericht: Erfahrungen von Antragsteller*innen auf Invaliditätpension und Pflegegeld bei der PVA OÖ (PDF)

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