Rund um den Internationalen Frauentag macht das Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) gemeinsam mit der FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen, einer Mitgliedsorgansiation des Österreichischen Behindertenrats, auf ein österreichweites Projekt aufmerksam. Im Mittelpunkt stehen die Lebensrealitäten von Frauen mit Behinderungen sowie Fragen der ökonomischen Selbstbestimmung und des sogenannten Mental Load.
Frauen mit Behinderungen sind in Österreich weiterhin strukturell benachteiligt. Sie sind seltener erwerbstätig, häufiger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet und berichten häufig von hoher psychischer Belastung. Der Begriff Mental Load beschreibt die oft unsichtbare Arbeit rund um Organisation, Planung und Verantwortung im Alltag. Für Frauen mit Behinderungen kommt zusätzliche Belastung hinzu, etwa durch den Umgang mit Barrieren oder durch die Organisation notwendiger Unterstützungsleistungen.
Das Projekt trägt den Titel „Frauen* mit Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung. Strategien zur Entlastung von Mental Load“. Es startete im November 2025 und wird bis Ende 2026 umgesetzt. Fördergeber ist das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF).
Mentorinnen teilen Erfahrungen
Ein zentraler Ansatz des Projekts besteht darin, Frauen mit Behinderungen selbst als Mentorinnen einzubeziehen. Sie teilen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Strategien im Austausch mit anderen Frauen mit Behinderungen. Ziel ist es, gegenseitige Unterstützung zu ermöglichen und Lösungen zu entwickeln, die direkt aus den Lebensrealitäten der Frauen entstehen.
Am 28. Jänner 2026 fand die konstituierende Sitzung des Peer Expertinnen-Beirats des Projekts statt. Frauen mit Behinderungen mit Erfahrung in Selbstvertretung, Beratung, Gleichstellungsarbeit und Barrierefreiheit begleiten das Projekt fachlich und bringen ihre Perspektiven ein.
Der erste Mentorinnen-Dialog wurde am 27. Februar 2026 in Wien durchgeführt. In zwei Kleingruppen tauschten sich 14 Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen über ihre Erfahrungen aus. Themen waren unter anderem finanzielle Selbstbestimmung trotz Erwachsenenvertretung sowie begrenzte Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Die Gespräche machten deutlich, wie unterschiedlich die individuellen Strategien sind und welche Barrieren im Alltag bestehen.
Ungleiche Ausgangslage
Daten zeigen die strukturelle Benachteiligung deutlich. In Österreich sind 12,1 Prozent der Frauen mit Behinderungen erwerbstätig. Bei Männern mit Behinderungen sind es 18,4 Prozent. 24 Prozent der Frauen mit Behinderungen sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Bei Frauen ohne Behinderungen liegt dieser Anteil bei 15 Prozent.
Diese Situation steht im Widerspruch zu internationalen Verpflichtungen wie der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN Frauenrechtskonvention, die ökonomische Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben vorsehen.
Weitere Treffen und barrierefreie Ergebnisse
In den kommenden Monaten sind weitere Austausch-Treffen in mehreren Bundesländern sowie Online-Formate geplant. Dabei sollen Erfahrungen gesammelt und Strategien zur Entlastung von Mental Load sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig werden strukturelle Probleme dokumentiert, mit denen Frauen mit Behinderungen konfrontiert sind.
Die Ergebnisse werden in barrierefreien Formaten wie Audio-Clips und Webinaren auf der Website von FmB veröffentlicht. Über das Projekt wird zusätzlich in vereinfachter Sprache unter dem Titel „Geld und Frauen* mit Behinderungen – Wege zur Entlastung und mehr Selbstbestimmung“ kommuniziert, um möglichst viele Frauen zu erreichen. Zudem sollen Empfehlungen für Politik, Verwaltung und Praxis entstehen.
Service-Links
FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen: Geld & Frauen* mit Behinderungen