Der Welt-Braille-Tag findet jedes Jahr am 4. Jänner statt. Er fällt auf den Geburtstag von Louis Braille, der im Jahr 1825 die Brailleschrift entwickelte. Die Vereinten Nationen erklärten diesen Tag 2018 zu einem internationalen Gedenk- und Aktionstag. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung der Brailleschrift zu stärken.
Braille ist ein taktiles Schriftsystem aus sechs Punkten. Blinde und sehbehinderte Menschen lesen diese Schrift mit den Fingern. Braille ermöglicht selbstständiges Lesen und Schreiben. Sie ist eine wichtige Grundlage für Bildung, Information und gesellschaftliche Teilhabe. Auch heute bleibt die Brailleschrift unverzichtbar. Digitale Hilfsmittel wie Braille-Displays oder taktile Grafiken bauen auf ihr auf und ergänzen sie.
Forderungen der World Blind Union
Die World Blind Union nutzt den Welt-Braille-Tag, um auf zentrale Anliegen aufmerksam zu machen. Sie fordert, dass Braille weltweit stärker gefördert wird. Digitale Angebote sollen Braille unterstützen, sie aber nicht ersetzen. Reine Audio-Lösungen reichen für Lesen und Schreiben nicht aus.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Zugang zu Bildung. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen die Möglichkeit haben, Braille zu erlernen. Dafür braucht es qualifizierte Lehrkräfte, geeignete Lernmaterialien und moderne technische Ausstattung. Die World Blind Union fordert außerdem die Umsetzung des Marrakesch-Vertrags. Dieser erleichtert die Herstellung und den internationalen Austausch von Braille-Büchern und anderen barrierefreien Texten.
Erich Schmid und sein Einsatz für Braille
Der Welt-Braille-Tag ist auch Anlass, an Prof. Mag. Erich Schmid zu erinnern. Der Vizepräsident des Österreichischen Behindertenrats verstarb am 3. Dezember 2025 im Alter von 70 Jahren. Sein Leben war von großem Engagement geprägt. Er setzte sich für blinde und sehbehinderte Menschen ein. Bildung, Brailleschrift, Barrierefreiheit und Inklusion standen dabei im Mittelpunkt.
Die Weiterentwicklung der Brailleschrift war ein zentraler Teil von Erich Schmids Wirkens. Schon in jungen Jahren befasste er sich intensiv mit der Kurzschriftreform von 1974. Er analysierte außerdem Fehler in frühen Computer-Braille-Übertragungen. Als Vorsitzender der Österreichischen Brailleschrift-Kommission und als Vertreter im Brailleschrift-Komitee der deutschsprachigen Länder arbeitete er an der Verbesserung von Normen und Standards. Sein Ziel war eine bessere Lesbarkeit und die Sicherung von Braille als unverzichtbare Grundlage für Bildung, auch im digitalen Zeitalter.
Sein großes Fachwissen, seine Sorgfalt und seine Beharrlichkeit machten ihn zu einer anerkannten Stimme in Österreich und international. Der Welt-Braille-Tag erinnert damit nicht nur an eine bedeutende Erfindung, sondern auch an Menschen, die sich ihr Leben lang für den Zugang zu Bildung und Information eingesetzt haben.
Erich Schmid über Braille
Am 5. Mai 2025 veranstaltete der Österreichische Behindertenrat mit zahlreichen Behindertenorganisationen vor dem Parlament neben der „Baustelle Inklusion“ eine 10-stündige Lesung der UN-Behindertenrechtskonvention, anlässlich des Europäischen Protesttags für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.
Erich Schmid sprach über Braille und las aus der UN-Behindertenrechtskonvention.