Von 8. bis 15. Oktober steht die Woche des Sehens im Zeichen von Aufklärung, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe. Den Abschluss bildet der Internationale Tag des weißen Stocks am 15. Oktober. Anlässlich der Aktionstage informieren Blinden- und Sehbehindertenverbände in ganz Österreich über die Herausforderungen blinder und sehbehinderter Menschen und laden zu zahlreichen Veranstaltungen ein.
Der weiße Langstock ist für viele Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Er unterstützt die Orientierung, hilft beim Erkennen von Hindernissen und ermöglicht ein hohes Maß an selbstständiger Mobilität. Gleichzeitig macht er andere Verkehrsteilnehmer auf die Sehbehinderung aufmerksam.
Barrieren im Alltag abbauen
Trotz technischer Fortschritte und gesetzlicher Vorgaben bestehen im öffentlichen Raum weiterhin zahlreiche Hindernisse. Blockierte taktile Leitsysteme, unzureichend gesicherte Baustellen, abgestellte E-Scooter oder fehlende akustische Informationen können die selbstständige Fortbewegung erheblich erschweren.
Neben einem barrierefrei gestalteten Umfeld sind Orientierungs- und Mobilitätstrainings von großer Bedeutung. Dabei lernen blinde und sehbehinderte Menschen, sich sicher in ihrer Umgebung zurechtzufinden und öffentliche Verkehrsmittel selbstständig zu nutzen.
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ), seine Landesorganisationen und die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs setzen sich für den Abbau solcher Barrieren und die gleichberechtigte Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen ein.
Veranstaltungen am 15. Oktober 2026
In Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck finden zum Internationalen Tag des weißen Stocks öffentliche Veranstaltungen statt, bei denen Information, Austausch und persönliche Erfahrungen im Mittelpunkt stehen.
Wien: Orientierung und Mobilität im Louis Braille Haus
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, Niederösterreich und Burgenland sowie die Berufliche Assistenz & Akademie BSV GmbH laden zu einer kostenlosen Veranstaltung rund um Orientierung und Mobilität ein.
Das Programm umfasst eine Podiumsdiskussion mit Vertreter von Förderstellen, Selbstvertreter und Trainer für Orientierung und Mobilität. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten zur Selbsterfahrung und zur Vorstellung technischer Hilfsmittel.
Termin: 15. Oktober 2026, 12:00 bis 17:30 Uhr
Ort: Louis Braille Haus, Hägelingasse 4–6, 1140 Wien
Weitere Informationen und Anmeldung
Graz: Aktionstag im Odilien-Institut
Das Odilien-Institut veranstaltet gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Steiermark und der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs einen Aktionstag rund um Blindheit und Sehbehinderung.
Besucher können verschiedene Hilfsmittel kennenlernen und selbst ausprobieren. An Erfahrungsstationen mit Simulations- und Dunkelbrillen werden unterschiedliche Sehbeeinträchtigungen nachvollziehbar gemacht. Vorgestellt werden unter anderem Langstöcke, taktile Leitsysteme, digitale Hilfsmittel und Blindenführhunde.
Termin: 15. Oktober 2026
Ort: Odilien-Institut, Leonhardstraße 130, 8010 Graz
Weitere Informationen bei der Hilfsgemeinschaft
Salzburg: „Anstoßen!“ zum Tag des weißen Stocks
Unter dem Motto „Anstoßen!“ lädt der Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg gemeinsam mit dem Team Vielfalt und dem Bewohnerservice Liefering-Süd zu einer Mitmachaktion ein.
Mit Dunkelbrille und weißem Langstock können Interessierte selbst erfahren, welche Bedeutung der Tastsinn für die Orientierung hat. Anschließend bietet eine Dunkelbar Gelegenheit zum Austausch. Die Veranstaltung soll neue Perspektiven eröffnen und zum Nachdenken über Barrieren im Alltag anregen.
Termin: 15. Oktober 2026, 15:00 bis 18:00 Uhr
Ort: Bewohnerservice Liefering-Süd, Laufenstraße 55, 5020 Salzburg
Innsbruck: Infostand an der Annasäule
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) informiert unter dem Motto „Gemeinsam mehr sehen – gemeinsam mehr erreichen“ über die Bedeutung des weißen Stocks und die Lebensrealitäten blinder und sehbehinderter Menschen.
Neben dem persönlichen Austausch mit Mitarbeiter des Verbands finden um 11:00 und 11:45 Uhr zwei kurze Aktionen statt. Auch Landesrätin Eva Pawlata wird vor Ort sein.
Termin: 15. Oktober 2026, 10:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Annasäule, Maria-Theresien-Straße, Innsbruck
Weitere Aktionen rund um die Woche des Sehens
Auch an den Tagen vor dem 15. Oktober bieten die Verbände Informationsveranstaltungen, Beratungen und kulturelle Angebote an.
Tirol: Information, Beratung und Kultur
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol organisiert vom 8. bis 15. Oktober unter dem Motto „Gemeinsam mehr sehen – gemeinsam mehr erreichen“ ein abwechslungsreiches Programm.
Am 9. Oktober fand in Innsbruck ein Expertäch zu erblichen Netzhauterkrankungen statt. Am 13. Oktober konnten Interessierte beim BSVT-Bezirkstag in Lienz Hilfsmittel kennenlernen und sich beraten lassen.
Ein Kabarettabend mit Martin Mayrhofer am 14. Oktober bot humorvolle Einblicke in das Leben mit Blindheit oder Sehbehinderung. Ergänzend präsentierte Markus Fischnaller Kuriositäten aus 80 Jahren Hilfsmittelgeschichte.
Salzburg: Offenes Vereinshaus und Gesundheitsaktion
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg lud am 14. Oktober zu einem Tag der offenen Tür mit Hilfsmittelflohmarkt in sein Vereinshaus in der Schmiedingerstraße 62 ein.
Am 16. Oktober beteiligt sich der Verband außerdem an der Gesundheitsveranstaltung „Zommkemma & gsund bleibn“ in Weißbach bei Lofer.
Weitere Informationen beim BSVÖ
Gemeinsam für eine barrierefreie Gesellschaft
Die Woche des Sehens und der Tag des weißen Stocks zeigen, dass selbstständige Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe nicht allein von individuellen Fähigkeiten und Hilfsmitteln abhängen. Entscheidend sind barrierefreie Verkehrswege, zugängliche Informationen und die Möglichkeit, sich sicher und selbstbestimmt im öffentlichen Raum zu bewegen.
Ebenso wichtig sind Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme im Alltag. Freigehaltene taktile Leitsysteme, ausreichend gesicherte Baustellen und ein respektvoller Umgang tragen dazu bei, Barrieren abzubauen und gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.