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Startseite › Aktuelles › News › Bernadette Feuerstein (1959–2026)

Bernadette Feuerstein (1959–2026)

29. Juli 2026

Eine Stimme für Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Menschenrechte ist verstummt.

Bernadette Feuerstein spricht vor einem Mikrofon. Sie trägt eine Brille und einen rot gemusterten Schal.
Bildquelle: BIZEPS/FLORA SCHEIBENBAUER-HBF

Mit großer Betroffenheit nimmt der Österreichische Behindertenrat Abschied von Mag. Bernadette Feuerstein, die am 28. Juli 2026 im Alter von 67 Jahren verstorben ist.

Mit ihr verliert Österreich eine der prägenden Persönlichkeiten der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung. Über Jahrzehnte setzte sie sich mit großer Konsequenz dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen selbst über ihr Leben bestimmen können und ihre Rechte uneingeschränkt verwirklicht werden. Ihr Wirken hat die österreichische Behindertenpolitik nachhaltig geprägt und reicht weit über die Grenzen der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung hinaus.

Als Mitbegründerin von BIZEPS, langjährige Vorsitzende von Selbstbestimmt Leben Österreich und Ministerialrätin im Bundesdienst verband Bernadette Feuerstein politisches Engagement mit fachlicher Expertise. Sie gehörte zu jener Generation von Aktivist*innen, die den Wandel von einer Fürsorgepolitik hin zu einem menschenrechtlichen Verständnis von Behinderung maßgeblich mitgestaltet haben. Persönliche Assistenz, Barrierefreiheit, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen waren zentrale Anliegen ihres jahrzehntelangen Wirkens.

Geprägt wurde ihr Weg schon früh durch ihre Familie. Ihr Vater, der Architekt Günther Feuerstein, zählte zu den Wegbereitern des barrierefreien Bauens in Österreich. Bernadette Feuerstein erzählte später selbst, dass sie durch ihn den Zugang zur Behindertenbewegung fand. Früh erkannte sie jedoch, dass Barrierefreiheit allein nicht ausreicht. Ebenso notwendig sind Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und die aktive Mitgestaltung durch Menschen mit Behinderungen selbst.

Ein besonderes Anliegen waren ihr die Rechte von Frauen mit Behinderungen. Sie machte immer wieder auf Mehrfachdiskriminierungen aufmerksam und setzte sich dafür ein, dass Frauen mit Behinderungen als Expertinnen in eigener Sache sichtbar werden. Als Mitglied des Kompetenzteams Frauen mit Behinderungen des Österreichischen Behindertenrats brachte sie ihre langjährige Erfahrung unter anderem zu Persönlicher Assistenz, Elternschaft, Disability Mainstreaming und der UN-Behindertenrechtskonvention ein. Damit trug sie wesentlich dazu bei, frauenpolitische Perspektiven innerhalb der Behindertenpolitik zu stärken.

Bernadette Feuerstein verstand die Behindertenbewegung stets als Menschenrechtsbewegung. Sie war überzeugt, dass politische Entscheidungen nur gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen getroffen werden dürfen. Der Leitsatz „Nichts über uns, ohne uns“ war für sie keine Forderung, sondern gelebte Praxis. Mit großer Beharrlichkeit, fachlicher Kompetenz und klaren Argumenten setzte sie sich für Veränderungen ein und scheute auch kritische Debatten nicht.

Auch mit dem Österreichischen Behindertenrat verband sie eine lange Geschichte. Unterschiedliche Auffassungen in behindertenpolitischen Fragen waren für Bernadette Feuerstein selbstverständlicher Teil eines demokratischen Diskurses. Trotz mancher inhaltlicher Differenzen verband sie und den Österreichischen Behindertenrat das gemeinsame Ziel, die Rechte von Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu stärken. Dieses gemeinsame Anliegen zeigte sich in zahlreichen Projekten und Veranstaltungen, in den letzten Jahren beispielsweise bei der Staatenprüfung Österreichs vor dem UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Genf über Workshops zum inklusiven Katastrophenschutz bis hin zur öffentlichen Lesung der UN-Behindertenrechtskonvention im Rahmen der „Baustelle Inklusion“.

Bis zuletzt brachte Bernadette Feuerstein ihre Erfahrung und ihr Wissen in aktuelle behindertenpolitische Fragen ein. Ob bei der Entwicklung inklusiver Katastrophenschutzkonzepte, bei der Entfluchtungsübung im Koralmtunnel oder im Austausch mit Politik, Verwaltung und Selbstvertretungsorganisationen, sie blieb ihrer Überzeugung treu, dass Inklusion nur gemeinsam gelingen kann.

Mit Bernadette Feuerstein verliert Österreich eine kluge Analytikerin, eine überzeugende Menschenrechtsaktivistin und eine Persönlichkeit, die Generationen von Menschen mit Behinderungen ermutigt hat, ihre Rechte selbstbewusst einzufordern. Ihr Einsatz für Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und eine inklusive Gesellschaft wird weit über ihr eigenes Wirken hinaus Bestand haben.

Unsere Gedanken sind bei ihrem Lebensgefährten Bernhard Hruska, mit dem sie über viele Jahrzehnte ihr Leben und ihr Engagement für Selbstbestimmung und Inklusion teilte, bei ihrer gemeinsamen Tochter Lea sowie ihrer Familie, ihren Freund*innen und allen Wegbegleiter*innen.

Der Österreichische Behindertenrat wird Bernadette Feuerstein ein ehrendes Andenken bewahren.

Erinnerungsmomente

Bernadette Feuerstein mit einer Delegation in einem großen Konferenzsaal. Die Gruppe posiert für ein gemeinsames Foto, einige Personen sitzen im Rollstuhl.
Bernadette Feuerstein bei der Staatenprüfung Österreichs vor dem UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Palais des Nations in Genf im August 2023. Als Mitglied der österreichischen Staatendelegation setzte sie sich auch auf internationaler Ebene für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein.
Bernadette Feuerstein sitzt im Elektrorollstuhl an einem Konferenztisch. Mehrere Personen nehmen an einem Workshop teil, während eine Frau mit Mikrofon spricht.
Bernadette Feuerstein beim Workshop des Österreichischen Behindertenrats zum inklusiven Katastrophenschutz im September 2024. Im gemeinsamen Austausch mit Expert*innen aus Selbstvertretung, Verwaltung und Einsatzorganisationen brachte sie ihre langjährige Erfahrung für mehr Sicherheit und Barrierefreiheit in Krisensituationen ein.
Bernadette Feuerstein verlässt mit ihrem Elektrorollstuhl einen Zug im Koralmtunnel. Einsatzkräfte der Feuerwehr und ein Mitarbeiter der ÖBB begleiten die Evakuung im Rahmen einer Notfallübung.
Bei der Entfluchtungsübung im Koralmtunnel im Jänner 2026 unterstützte Bernadette Feuerstein die Erprobung barrierefreier Evakuierungsabläufe. Gemeinsam mit weiteren Menschen mit Behinderungen trug sie dazu bei, dass Einsatzkräfte den Umgang mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen unter realitätsnahen Bedingungen üben konnten.

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euro-key

Inhaber*innen eines gültigen Bundesbehindertenpasses – mit entsprechender Zusatzeintragung, die den Bedarf bestätigt – oder eines gültigen Parkausweises für Menschen Behinderung nach § 29b StVO können beim Österreichischen Behindertenrat einen Euro-Key bestellen.

euro-key beantrageneuro-key Standorte in Österreich (pdf)

Der Österreichische Behindertenrat

Als Interessenvertretung für 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen setzt sich der Behindertenrat für die Umsetzung des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes ein und fördert Barrierefreiheit und Gleichstellung auf nationaler, EU- und internationaler Ebene. Er bereitet Vorschläge von Menschen mit Behinderungen auf, arbeitet in Gremien mit, pflegt Kontakte zur Wissenschaft und baut umfassende Dokumentationen zu Hilfsmitteln, Fachliteratur und sozialen Diensten auf.

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