Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) erhält im November 2026 den Österreichischen Staatspreis für Geschichtswissenschaften in der Kategorie „Geschichte innovativ“. Ausgezeichnet wird das Disability History Projekt, das die Geschichte und die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen in Österreich sammelt, aufarbeitet und sichtbar macht.
Das 2024 gestartete Projekt widmet sich insbesondere der politischen und aktivistischen Geschichte von Menschen mit Behinderungen und ihrem Einsatz für Selbstbestimmung und gleiche Rechte. Ein zentraler Bestandteil ist die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen selbst.
Mehr als 400 Objekte angeboten
Gemeinsam mit einer Fokusgruppe aus Selbstvertreter*innen, Aktivist*innen, Forschenden und Vertreter*innen von Community-Archiven arbeitet das hdgö daran, Objekte und die damit verbundenen Geschichten für die Sammlung zu bewahren. Die Resonanz auf den Sammlungsaufruf war groß: Statt der ursprünglich geplanten 30 wurden dem Museum mehr als 400 Objekte angeboten.

Kuratorin Vanessa Tautter führt zudem sogenannte „Oral History“-Interviews mit Menschen, die Objekte zur Sammlung beitragen und deren persönliche Geschichte erzählen. Einige der aufgenommenen Objekte sind bereits in der Hauptausstellung „Neue Zeiten: Österreich seit 1918“ sowie in der Sammlung Online zu sehen.
Die Jury würdigt insbesondere den partizipativen Ansatz, die Oral-History-Interviews und die Begleitung des Projekts in einfacher Sprache.
Geschichte von Menschen mit Behinderungen sichtbar machen
Auch der Österreichische Behindertenrat beschäftigte sich bereits mit dem Disability History Projekt. In einem Video spricht hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer über das Projekt und darüber, warum die Geschichte von Menschen mit Behinderungen ein wichtiger Teil der österreichischen Zeitgeschichte ist.
Weitere Einblicke in die Geschichte der Behindertenbewegung vermittelte Stefan Benedik vom Haus der Geschichte Österreich bei der Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Österreichischen Behindertenrats im Mai 2026. Er gab dort einen historischen Überblick über die Behindertenbewegung vor 1950.
Das Disability History Projekt wurde bis 2027 verlängert und soll die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen dauerhaft im kulturellen Gedächtnis Österreichs verankern.