Der spanische Film „Sorda“ der Regisseurin Eva Libertad erhielt den LUX-Publikumspreis 2026. Die Auszeichnung wurde im Europäischen Parlament in Brüssel vergeben. Über den Gewinner entschieden Bürger*innen aus ganz Europa gemeinsam mit den Mitgliedern des Europäischen Parlaments.
Im Mittelpunkt des Films steht Ángela, eine gehörlose Frau, die mit ihrem hörenden Partner ein Kind erwartet. Während der Schwangerschaft wachsen ihre Sorgen darüber, wie sie als Mutter mit ihrer Tochter kommunizieren und in einer Gesellschaft bestehen kann, die häufig nicht auf die Bedarfe gehörloser Menschen ausgerichtet ist. Die Hauptrolle spielt die gehörlose Schauspielerin Miriam Garlo.
Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Sabine Verheyen, erklärte bei der Preisverleihung: „Regisseurin Eva Libertad gewährt uns einen unvergesslichen Einblick in das Leben einer gehörlosen Frau, die sich in einer Welt, die nicht für sie gemacht ist, als Mutter zurechtfinden muss. Getragen von einer atemberaubenden Darstellung der gehörlosen Schauspielerin Miriam Garlo fordert uns der Film dazu auf, anders zuzuhören und ein Europa zu schaffen, in dem niemand ungehört bleibt.“
Auch der österreichische Europaabgeordnete Hannes Heide, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung, gratulierte den Gewinner*innen. Er betonte: „Mit ‚Deaf‘ wurde ein Werk ausgezeichnet, das eindrucksvoll zeigt, wie wichtig echte Inklusion in unserer Gesellschaft ist. Der Regisseurin Eva Libertad gelingt es, mit großer Sensibilität die Perspektive einer gehörlosen Frau sichtbar zu machen und damit zentrale Fragen von Teilhabe und Gleichberechtigung aufzuwerfen.“

Mehr Barrierefreiheit bei Filmvorführungen
Die Preisverleihung bildete den Abschluss einer europaweiten Filmsaison. Das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Österreich organisierte gemeinsam mit Partnerorganisationen mehr als 50 Filmvorführungen in ganz Österreich.
Ein besonderes Augenmerk lag 2026 auf Barrierefreiheit. Erstmals wurden alle nominierten Filme mit barrierefreien Untertiteln gezeigt. Zusätzlich gab es im Erlebnis Europa in Wien ein eigenes Screening von „Sorda“ für gehörlose Besucher*innen.
Darüber hinaus fand am 14. April die feierliche Abschlussveranstaltung der LUX Filmtage Niederösterreich in St. Pölten statt. Nach der Live-Übertragung der Preisverleihung aus Brüssel gab es eine spannende Podiumsdiskussion und eine erneute Vorführung des prämierten Films.
Europäischer Filmpreis mit Publikumsbeteiligung
Der LUX-Publikumspreis wird seit 2007 vom Europäischen Parlament und der Europäischen Filmakademie gemeinsam vergeben. Partner sind die Europäische Kommission und das Kino-Netzwerk Europa Cinemas.
Ziel des Preises ist es, europäische Filme sichtbarer zu machen und gesellschaftliche Themen wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt und Meinungsfreiheit aufzugreifen. Eine Besonderheit des Preises besteht darin, dass die Bewertungen des Publikums und jene der Mitglieder des Europäischen Parlaments jeweils zur Hälfte in das Ergebnis einfließen.
Neben „Sorda“ waren vier weitere Filme nominiert: „Christy“ von Brendan Canty, „It Was Just an Accident“ von Jafar Panahi, „Love Me Tender“ von Anna Cazenave Cambet sowie „Sentimental Value“ von Joachim Trier.
Internationale Kurzfilme zu Leben und Perspektiven von Menschen mit Behinderungen
Ein Blick auf das Thema Film und Behinderung bietet sich auch am 1. Mai 2026 beim Art Without Limit Filmfestival in Wolkersdorf. Der Österreichische Behindertenrat beteiligt sich im Jubiläumsjahr „50 Jahre Österreichischer Behindertenrat“ als Kooperationspartner an der Veranstaltung.

Klaus Widl, Präsident des Österreichischen Behindertenrats, betont:
„Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen als gleichwertiger Teil der Gesellschaft sichtbar sind. Das geschieht in all ihrer Diversität und ohne Klischees. Viel zu oft werden wir in den Medien noch eindimensional als Leidende oder tapfere Helden dargestellt, die ihr Schicksal bezwingen. Das Art Without Limit Filmfestival bricht mit diesen veralteten Bildern.“
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LUX Publikumspreis des Europäischen Parlaments