Mit einer Festveranstaltung im Veranstaltungszentrum Catamaran des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) in Wien feierte der Österreichische Behindertenrat (ÖBR) am 21. Mai 2026 sein 50-jähriges Bestehen als Dachorganisation von Menschen mit Behinderungen. Die Jubiläumsveranstaltung fand exakt 50 Jahre nach der ersten Generalversammlung der damaligen Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR) statt, die seit 2017 den Namen Österreichischer Behindertenrat trägt.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft sowie Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen nahmen an der Jubiläumsfeier teil. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen fünf Jahrzehnte organisierter Interessenvertretung, bedeutende behindertenpolitische Meilensteine sowie aktuelle Herausforderungen der Gleichstellungspolitik.
Von der Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation zum Behindertenrat
Die Geschichte des heutigen Österreichischen Behindertenrats reicht bis in das Jahr 1950 zurück, als die „Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation“ (ÖAR) gegründet wurde. Mit einer Statutenänderung am 12. Dezember 1975 entwickelte sich die Organisation zur Dachorganisation der Behindertenverbände in Österreich. Seit 2017 trägt die Organisation den Namen Österreichischer Behindertenrat.
Eröffnet wurde die Jubiläumsveranstaltung von Sozialministerin Korinna Schumann. Auch Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen und Sozialminister a. D. Johannes Rauch richteten sich mit Videobotschaften an die Gäste. Darüber hinaus begrüßte Patrick Berger vom Chancen Nutzen Büro des ÖGB die Anwesenden.
ÖBR-Präsident Klaus Widl erinnerte in seiner Rede an die Entwicklung des Österreichischen Behindertenrats von einer Koordinationsplattform hin zu einer gesetzlich verankerten Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen in Österreich.
„Was 1976 mit der Neuausrichtung der damaligen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation begann, markierte den Beginn einer bundesweiten Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen. Heute vereint der Behindertenrat über 85 Mitgliedsorganisationen und ist zu einer zentralen Stimme der österreichischen Behindertenpolitik geworden“, erklärte Klaus Widl.
Rückblick auf fünf Jahrzehnte Behindertenpolitik
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auf zahlreiche politische und gesellschaftliche Entwicklungen der vergangenen fünf Jahrzehnte zurückgeblickt. Dabei standen die Entwicklung der organisierten Behindertenbewegung in Österreich sowie zentrale Meilensteine der österreichischen Behindertenpolitik im Mittelpunkt.
Einen historischen Überblick über die Behindertenbewegung vor 1950 gab Dr. Stefan Benedik vom Haus der Geschichte Österreich. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung diskutierten ÖBR-Ehrenpräsident Prof. Dr. Klaus Voget, Sektionschef a. D. Prof. Mag. Manfred Pallinger vom früheren Sozialministerium, Sozialministerin a. D. Eleonore Hostasch, Sozialminister a. D. Mag. Herbert Haupt, Sozialminister a. D. Dr. Erwin Buchinger sowie ÖBR-Präsident Klaus Widl über die Entstehung des Pflegegelds, die Entwicklung des Gleichstellungsrechts sowie die zunehmende menschenrechtliche Ausrichtung der Behindertenpolitik in Österreich.
„Die Entwicklung des Behindertenrats ist nicht nur Organisationsgeschichte. Sie ist Teil der österreichischen Sozial- und Demokratiegeschichte. Sie steht für den Übergang von Fürsorge zu Rechtsanspruch, von Verwahrung zu Selbstbestimmung und von vereinzelter Interessenvertretung zu koordinierter politischer Durchsetzungskraft“, betonte Widl.
Aktuelle Herausforderungen und Ausblick
Auch aktuelle Herausforderungen wurden angesprochen. Diskutiert wurden unter anderem die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, inklusive Bildung, Persönliche Assistenz, Barrierefreiheit sowie die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen. Mehrfach wurde betont, dass trotz wichtiger Fortschritte weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht.
Zum Abschluss der Veranstaltung unterstrich ÖBR-Präsident Klaus Widl die Bedeutung einer starken gemeinsamen Interessenvertretung auch für die Zukunft. Der Österreichische Behindertenrat werde sich weiterhin für Gleichstellung, Selbstbestimmung, Barrierefreiheit und die konsequente Umsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzen.
Musik und barrierefreie Gestaltung
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom inklusiven Ensemble Ohrenklang sowie von Sängerin Sofia Reyna. Ergänzt wurde das Programm durch einen Poetry-Slam-Beitrag von Nadine Brunner.
Die Jubiläumsveranstaltung wurde umfassend barrierefrei gestaltet. Angeboten wurden unter anderem Übersetzung in Österreichische Gebärdensprache, Schriftdolmetschung, eine induktive Höranlage, Assistenzangebote sowie Zusammenfassungen in Einfacher Sprache.
Festschrift präsentiert
Im Rahmen der Feier präsentierte der Österreichische Behindertenrat außerdem die Festschrift „50 Jahre Österreichischer Behindertenrat“. Die Publikation dokumentiert die Entwicklung der organisierten Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen in Österreich von den frühen Selbsthilfebewegungen bis zur heutigen menschenrechtlichen Behindertenpolitik. Die Festschrift steht auf der Website des Österreichischen Behindertenrats als PDF zur Verfügung und kann zusätzlich in gedruckter Form in der Geschäftsstelle angefordert werden.

Die Festschrift steht als PDF zur Verfügung und kann zusätzlich in gedruckter Form in der Geschäftsstelle angefordert werden.
Dank an den ÖGB
Der Österreichische Behindertenrat dankt dem Österreichischen Gewerkschaftsbund für die Unterstützung der Jubiläumsveranstaltung sowie für die Möglichkeit, den Festakt im Catamaran auszurichten.