Am 1. Mai 2026 wurde im Quartier Wolkersdorf im Weinviertel eine Auswahl der besten international prämierter Kurzfilme aus vergangenen Editionen des Art Without Limit International Film Festivals gezeigt.
Im Zentrum standen Geschichten, die differenzierte Einblicke in Alltag, gesellschaftliche Barrieren und individuelle Erfahrungen ermöglichen. Die Kurzfilme zeigen Menschen mit Behinderungen in ihrer Vielfalt und greifen Themen wie Selbstbestimmung, Teilhabe und gesellschaftliche Rahmenbedingungen auf. Gleichzeitig wird sichtbar, wie stark die Darstellung von Menschen mit Behinderungen in Film und Medien durch vereinfachte oder stereotype Bilder geprägt ist und welche alternativen Perspektiven möglich sind.
Ein besonderer Fokus lag auf der Beteiligung von Menschen mit Behinderungen an den gezeigten Produktionen. Sie wirkten sowohl vor als auch hinter der Kamera mit und bringen ihre eigenen Perspektiven in die filmische Umsetzung ein. Dadurch entstanden authentische Darstellungen und neue Zugänge zu Themen, die im öffentlichen Diskurs oft nur unzureichend abgebildet werden.
Die Filme
Eröffnung: „YES I CAN“
offizielles Video zu den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro
Filmtrailer „Art without Limit Int. Film Festival“
Kosovo, Regie Michael Stoeger
„Sara“
Kosovo, Regie: Burim Haliti
Sara, eine 16-jährige Schülerin aus Prishtina erzählt gemeinsam mit ihrer Mutter von Hürden und schwierigen Siegen i ihrem bisherigen Leben, das von einer Behinderung seit ihrer Geburt geprägt ist. Von ganz privaten Siegen, aber auch jenen als erfolgreiche Athletin in einem anerkannten Fußballteam.
„Belua“
Indien, Regie: B. Suresh Kumar
Die spielerische, fröhliche und posotove Lebensgesinnung von Beula, einer jungen Dorfbewohnerin im ländlichen Indien.
„Carpenter Dartash“
Iran, Regie: Xelîl Sehragerd (Oscar-Kandidat 2024)
Der alte kurdische Tischler Hussein Mahmood stellt mit seinen handwerklichen Mitteln für Menschen seiner Umgebung, die durch Landminen ein Bein verloren haben, einfache Holzprothesen her.
„Delivery Boy“
Brasilien, Regie: Vinicius Saramago
Gustavo ist ein junger, autistischer Laufbursche im Zustellservice der Apotheke seines Onkels. Er erledigt seine täglichen Arbeiten gewissenhaft, bis er eines Tages ein Mädchen auf einem Fahrrad sieht. Von diesem Moment an ändert sich sein Leben schlagartig, und er konzentriert sich fortan ganz auf diese neue Leidenschaft.
„Martin“
Irland, Regie: Donal Moloney
Martin hat seit vielen Jahren nicht mehr in einem Bett geschlafen. Er sieht sich nicht als obdachlos. Er ist einer der zufriedensten und glücklichsten Menschen, die der Regisseur je kennengelernt hat. Diese kurze Dokumentation beleuchtet die Beziehung der beiden in den letzten Jahren, aber vor allem die Suche nach Glück und was es für jeden Einzelnen bedeutet.
„An Irish Goodbye“
Vereinigtes Königreich, Regie: Tom Berkeley und Ross White
Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter entfaltet sich vor der Kulisse eines Bauernhofs im ländlichen Die schwierige Wiedervereinigung der entfremdeten Brüder Turlough und Lorcan: Unter den wachsamen Augen des Exzentrischen Pfarrers wird sie dadurch erschwert, dass Turlough für seinen Bruder Lorcan, der mit dem Down Syndrom lebt, eine neue Betreuung organisieren möchte.
„Aufstehen“
Österreich, Regie: Mathea Holaus
Inspiriert vom unbezwingbaren Willen einer außergewöhnlichen Athletin erzählt der Film die Geschichte der jungen Para-Kletterin Jasmin Plank, die sich nach einem schweren Unfall und trotz fortschreitender Krankheit zurück an die Kletterwand und ins Leben kämpft. Zwischen körperlichen Grenzen, innerer Stärke, Verletzlichkeit und der treuen Begleitung ihrer Hündin Chiara entfaltet sich das Portrait einer Frau, die beweist, dass Aufgeben niemals eine Option ist.
„I see you“
Neuseeland, Regie: Briar March
In einer Welt, in der das perfekte Baby zur Wahl wird, kämpft eine junge Mutter darum, ihre Tochter so zu lieben und zu akzeptieren, wie sie ist.
Austausch, Gespräche und Ausstellung im Foyer
Das Filmprogramm wurde durch Publikumsgespräche ergänzt. Besucher*innen hatten die Möglichkeit, mit Filmschaffenden und Expert*innen ins Gespräch zu kommen und die Inhalte der Filme zu vertiefen. Diese Formate schufen Raum für Austausch und ermöglichten eine direkte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen.
Bereits vor Beginn des Filmprogramms war der Zugang zur Ausstellung im Foyer möglich. Gezeigt wurden unter anderem Fotos des international anerkannten Fotografen und mehrfachen Preisträgers der World Press Photo Awards, Brent Stirton, der seine Werkserie der Erkrankung ME/CFS widmete. In Zusammenarbeit mit der österreichischen WE&ME Foundation hatte Stirton zehn Menschen besucht, die von dieser Multisystemerkrankung betroffen sind, und dokumentiert, wie tief ME/CFS das Leben der Patient*innen und einschränkt. Darüber hinaus gab es Einblicke in moderne Prothesentechnik.
Die Ausstellung erweiterte das filmische Programm und bot zusätzliche inhaltliche Zugänge zum Thema. Es gab auch die Möglichkeit, sich mit der Fackel fotografieren zu lassen, die bei den Paralympics in Mailand getragen wurde.
Kooperation im Jubiläumsjahr 50 Jahre Österreichischer Behindertenrat
Der Österreichische Behindertenrat beteiligte sich als Kooperationspartner an der Veranstaltung im Jubiläumsjahr 50 Jahre Österreichischer Behindertenrat.

Die Österreich-Premiere wurde von der Kulturwolke Wolkersdorf organisiert. Initiator in Österreich war Hans Peter Arzberger. Die internationale Umsetzung begleitete Dr. Michael Stoeger als Director Austria und für internationale Beziehungen. Die Endauswahl der gezeigten Filme traf Festivalpräsident Peter MacDonald, ein bekannter Hollywood-Regissuer- und Kameramann.
Der Österreichische Behindertenrat organisierte in Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Gschwindl einen kostenlosen Bustransport für Rollstuhlnutzer*innen von Wien nach Wolkersdorf sowie die Schriftdolmetschung des an diesem Abend Gesprochenen.
„Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen als gleichwertiger Teil der Gesellschaft sichtbar sind. Das geschieht in all ihrer Diversität und ohne Klischees. Viel zu oft werden wir in den Medien noch eindimensional als Leidende oder tapfere Helden dargestellt, die ihr Schicksal bezwingen. Das Art Without Limit Filmfestival bricht mit diesen veralteten Bildern. Hier geht es nicht um Mitleid oder Darstellungen, die lediglich der Erleichterung nicht-behinderter Menschen dienen. Es geht um authentische Geschichten und die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Leben mit Behinderung in all seinen Graustufen. Besonders wichtig ist mir dabei der Fokus auf Repräsentation: Wenn Menschen mit Behinderungen ihre eigenen Geschichten erzählen und zeigen, wie sie Barrieren überwinden, wird echte Teilhabe spürbar. Dass dieses internationale Festival 2026 nach Wolkersdorf kommt, ist ein starkes Zeichen für ein modernes, barrierefreies Miteinander, das Begegnungen auf Augenhöhe schafft.“
Klaus Widl, Präsident Österreichischer Behindertenrat
Über das Art without Limit International Film Festival
Das Art without Limit International Film Festival, das von Dr. Michael Stoeger 2019 in Pristina (Kosovo) gegründet wurde, ist ein bewegendes Plädoyer für Vielfalt, Kreativität und Menschlichkeit – ein echtes Bekenntnis zu Inklusion. Mit ausgewählten Kurzfilmen aus aller Welt zu Themen rund um das Thema Behinderung ist es inzwischen zu einer international beachteten Plattform für kraftvolle Einsichten und berührende, wenig gehörte Stimmen geworden.
Filme spielen eine wichtige Rolle für die Gesellschaft. Sie können eine ganz besondere Wirkung entfalten und Menschen zu Veränderungen ermutigen. Mit klarem Blick, offenem Herzen und künstlerischer Vielfalt baut das Festival Brücken zwischen Welten.
Das Festival bietet Filmschaffenden aus aller Welt eine Plattform, um innovative, mutige und gesellschaftlich relevante Geschichten zu erzählen und neue Perspektiven jenseits klassischer Narrative zu eröffnen. Der besondere Schwerpunkt des Festivals liegt auf der Förderung und Sichtbarmachung von Menschen mit Behinderungen, sowohl vor als auch hinter der Kamera.
Service-Links
Art Without Limit International Film Festival
Fotos von Andrea Krahofer





















