Wenn von 12. bis 16. Mai 2026 der 70. Eurovision Song Contest (ESC) in Wien über die Bühne geht, soll er mehr sein als ein musikalisches Spektakel. Die Stadt nutzt das internationale Großereignis, um ein klares Signal zu setzen: Inklusion soll nicht die Ausnahme, sondern der Standard sein.
Die Stadt Wien integriert umfassende Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen in sämtlichen Bereichen in Zusammenhang mit dem Song Contest: Von der Stadthalle als zentralem Austragungsort über Live-Übertragungen auf Großbildleinwänden und in Fan-Zonen wie im Eurovision Village bis zu allen Veranstaltungen, die neben dem Hauptereignis stattfinden.
Barrierefreiheit als Gesamtkonzept
Neben Rollstuhlplätzen und barrierefreien Eingängen stehen Ruheräume zur Verfügung, in die sich Besucher*innen bei Reizüberflutung zurückziehen können. Ergänzend werden Hilfsmittel wie Gehörschutz, Lichtschutz oder Spielzeuge, die die Hände beschäftigen und dabei helfen, Stress abzubauen. angeboten.
Auch blinde und sehbehinderte Menschen werden aktiv eingebunden. So gibt es beispielsweise Führungen zum Ertasten der Bühne und akustische Bildbeschreibung. Assistenzhunde sind selbstverständlich willkommen.
Digitale Lösungen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle: Eine barrierefreie App liefert Live-Audio, Transkriptionen, die Informationen aus Ton- und Videoinhalten erfassen, Gebärdensprache und zusätzliche Informationen in mehreren Sprachen.
Barrierefreies Angebot des ORF
Für alle drei Live-Shows stehen Untertitelung, Audiodeskription, ÖGS-Dolmetschung sowie die eigens produzierten Sign-Performances zur Verfügung. Darüber hinaus sind sämtliche Übertragungen auf ORF ON mit allen barrierefreien Angeboten live und on demand erlebbar.
Bereits seit 2015 sind gebärdensprachliche Umsetzungen in Internationaler Gebärdensprache ein Teil des barrierefreien Angebots beim Eurovision Song Contest. Als erster öffentlich-rechtlicher Sender, der bei einem Song Contest die dargebotenen Titel mit Sign-Performance produziert hat, war der ORF maßgeblich an der Etablierung dieses Services beteiligt. Sign-Performance ist eine eigenständige künstlerische Ausdrucksform, die Gebärdensprache mit Elementen aus Theater, Rhythmus, Tanz und Mimik verbindet. Die Darbietungen werden bei den Halbfinal-Shows und beim Finale in ORF 2 Europe sowie auf ORF ON ausgestrahlt und allen Sendern der Teilnehmerländer zur Ausstrahlung auf ihren barrierefreien Plattformen zur Verfügung gestellt.
Erlebnisräume für alle
Auch die zahlreichen Veranstaltungen, die zusätzlich zum Song Contest stattfinden, werden konsequent barrierefrei gestaltet. Bei der Live-Übertragung am Rathausplatz stehen eigene Plattformen für Rollstuhlfahrer*innen sowie barrierefreie Zugänge und Toiletten zur Verfügung. Rückzugsorte und inklusive Angebote sorgen dafür, dass möglichst viele Menschen teilnehmen können.
Ähnliche Konzepte finden sich im Clubbereich und in Fan-Zonen wieder. So gibt es angepasste Infrastruktur und speziell gestaltete Ruhebereiche. Der Eintritt für Begleitpersonen ist kostenlos.
Übergreifende Barrierefreiheitsmaßnahmen (Auswahl)
- zentrale Informationsaufbereitung (FAQs, App, Website)
- Sunflower Lanyards am Flughafen Wien
- E-Mail-Adresse esc®fullaccess.at bei Fragen und Anliegen
- Casting von Freiwilligen mit Behinderungen und Freiwilligen zur Unterstützung von Besucher*innen mit Behinderungen
- Personalschulungen
Wiener Stadthalle (Hauptveranstaltung)
- Es gibt für Besucher*innen mit Behinderungen einen eigenen Infopoint.
- Es gibt eine Rollstuhlplattform und zusätzliche Sitzplätze für Personen mit anderen Arten von Behinderungen.
- Es gibt ein Begleit- und Abholservice durch speziell geschulte Volunteers.
- Es gibt einen Safer Space Ruheraum.
- Für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen stehen Vibrationswesten, mit denen die Musik in Schwingungen übersetzt wird, zur Verfügung.
- Assistenzhunde sind willkommen.
- Für Personen mit Hörbeeinträchtigungen gibt es Induktions- und Auracast-Systeme zur Unterstützung.
- Für blinde und sehbehinderte sowie neurodivergente Besucherinnen und Besucher gibt es Touch-Tours Backstageführungen. Voraussetzung dafür ist ein gültiges Ticket für eine der Shows.
- Für neurodivergente Personen gibt es eine Reizentlastungs-Ausstattung, die aus Kapsel-Gehörschutz, In-Ear-Gehörschutz, einer Lichtschutzfassung und Fidgets besteht.
Eurovision Village am Rathausplatz
- Der Zugang für Menschen mit Behinderungen erfolgt am bequemsten über die Lichtenfelsgasse. Dort befindet sich auch eine überdachte Rollstuhlplattform mit guter Sicht auf Bühne und Screens, die ohne Voranmeldung genutzt werden kann.
- Assistenzhunde sind willkommen und von der Maulkorbpflicht befreit.
- Für Personen mit Hörbeeinträchtigungen gibt es Induktionssysteme zur Unterstützung.
- Es gibt eine überdachte Rollstuhlplattform, die ohne Voranmeldung genutzt werden kann.
- Für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen stehen Vibrationswesten, mit denen die Musik in Schwingungen übersetzt wird, zur Verfügung.
- Für Hörgeräte- und CI-Nutzer steht eine Induktionsschleife zur Verfügung.
- Es gibt ein Safer Space Zelt.
- Es gibt barrierefreie Toiletten.
- Es gibt All-Gender-Toiletten.
- Das Aufladen von Hilfsmitteln wie E-Rollstühlen ist möglich.
- Für neurodivergente Personen gibt es eine Reizentlastungs-Ausstattung, die aus Kapsel-Gehörschutz, In-Ear-Gehörschutz, einer Lichtschutzfassung und Fidgets besteht.
- Mit accessify.live, einer Plug-and-Play-Lösung hat man über einen QR-Code über das Mobiltelefon Zugriff auf zahlreiche Angebote. Bei den Live-Shows: Audiodeskription, ÖGS-Dolmetschung, Sign Performances, Live-Untertitelung auf Deutsch und Englisch (Speech-to-Text) und Hörunterstützung direkt am eigenen Smartphone bereit – ohne App-Download in allen Live-Shows. Bei den Pre-Shows: Live-Untertitelung auf Deutsch und Englisch (Speech-to-Text), Sign Performances als Videoclips und Hörunterstützung.
- Es gibt einen Screen mit ÖGS-Dolmetschung und Sign Performances, der sich am linken Rand der Bühne in unmittelbarer Nähe zur Rollstuhlplattform befindet. Assistenzhunde sind erlaubt und von der Maulkorbpflicht befreit. Hinter dem barrierefreien Bereich gibt es zudem einen eigenen Freilaufbereich mit Trinkstelle. Auch das Aufladen von Hilfsmitteln wie E-Rollstühlen ist möglich.
EuroClub im Prater DOME
- Der Classic Floor im Prater Dome ist vollständig rollstuhlgerecht, der Main Floor ist teilweise rollstuhlgerecht.
- Es gibt eine barrierefreie Toilette
- Es gibt einen alternativen Eingang, der barrierefrei ist
- Es gibt einen Safer Space Ruheraum
- Bei Zusatzeintragung im Behindertenpass oder einem vergleichbaren internationalen Dokument ist der Eintritt für eine Begleitperson frei
- Nahe der Bühne sind Vibrationen über Subwoofer für eine haptische Musikwahrnehmung besonders intensiv spürbar
ESC Fan House im Wien Museum
- Das Wien Museum befindet sich in einem modernen, barrierefreien Gebäude.
- Es gibt All-Gender-Toiletten.
- Eine barrierefreie Toilette im Untergeschoß ist mit einer Liege und einem Deckenlifter ausgestattet. Die Toilette für Alle befindet sich im öffentlichen Teil des Museums und ist auch ohne Eintrittskarte zugänglich.
- Das inklusive Programm wird laufend weiterentwickelt.
Expertise im Hintergrund
Die Agentur Full Access begleitet den ESC 2026 als erfahrener strategischer Partner für Barrierefreiheit und bringt umfassende Expertise für Besucher*innen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen ein. Neben Schulungen für Personal, lnfopoints, Volunteer-Management und konkreten Maßnahmen für sensorische und motorische Bedürfnisse sowie Bedürfnisse neurodivergenter Personen verantwortet Full Access auch die Bereitstellung unterstützender Ausstattung direkt vor Ort.
So stellt Full Access eine Reizentlastungsausstattung für neurodivergente Besucher*innen zur Verfugung, die sowohl am Rathausplatz als auch in der Stadthalle je nach individuellem Bedarf kostenlos ausgegeben wird. Diese beinhaltet Kapsel-Gehörschutz, ln-Ear Gehörschutz, Lichtschutzfassung und Fidgets.
Christina Riedler von Full Access zufolge soll es für Personen, denen „aufgrund der eigenen Behinderung in der Menschenmenge alles zu viel“ werde, jederzeit die Möglichkeit haben, betreut an einem ruhigen Ort herunterzukommen und sich dann wieder ins Getümmel zu stürzen.

von links: Casinos Austria Generaldirektor Erwin van Lambaart, Martina Gollner und Christina Riedler von der Agentur Full Access und Georg Wawer, Managing Director Österreichische Lotterien und win2day
Foto: Kerstin Huber-Eibl
Engagement der Österreichischen Lotterien im Bereich Inklusion
Die Österreichischen Lotterien unterstützen die Umsetzung barrierefreier Angebote insbesondere im Bereich Side Events, Awareness-Maßnahmen und räumlicher lnklusionszonen.
Erwin van Lambaart, Generaldirektor der Österreichischen Lotterien, zufolge seien barrierefreie Angebote, Gebärdensprachdolmetschung, inklusive Begegnungsräume, partizipative Formate und ein breiter Zugang zu Veranstaltungs- und Kulturorten fixe Bausteine der Sponsoringstrategie. ,,Der Eurovision Song Contest zeigt eindrucksvoll, wie Musik verbindet und wie Inklusion gelebt werden kann“, erklärte der Lotterien-Direktor. Gemeinsam mit win2day würden sich die Österreichischen Lotterien als Partner des ESC engagieren, „weil Fairness, Teilhabe und Chancengleichheit für uns zentrale Werte sind. Inklusion bedeutet für uns, allen Menschen – Frauen, Männern und Menschen mit Behinderungen – gleiche Möglichkeiten zu bieten: auf der Bühne, im Spiel und im Leben“, so van Lambaart.
Ein Signal über Wien hinaus
Der Anspruch ist hoch: Der ESC 2026 soll nicht nur der inklusivste seiner Geschichte werden, sondern auch ein Modell für zukünftige Großveranstaltungen in Europa.
Wiens Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak möchte Wien langfristig als führende Gastgeber-Stadt für inklusive Großveranstaltungen positionieren sowie kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv leben.

„Inklusion ist ein zentraler Erfolgsfaktor für den Veranstaltungs- und Tourismusstandort Wien. Als offene und zukunftsorientierte Weltmetropole legt Wien Wert darauf, internationale Großereignisse barrierefrei zugänglich zu machen“, erklärte Wiens Vizebürgermeisterin Barbara Novak bei einem Medienhintergrundgespräch.
Foto: Stadt Wien / David Bohmann
Ein inklusives Veranstaltungsumfeld sei Nowak zufolge nicht nur Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung, sondern auch ein strategischer Vorteil im globalen Wettbewerb der Veranstaltungs- und Tourismusdestinationen.
Inklusionskampagne der Stadt Wien
Parallel zum Song Contest startet die Stadt Wien eine angelegte Inklusionskampagne. Ziel ist es, nicht nur während des Song Contests, sondern langfristig ein Bewusstsein für Teilhabe zu schaffen. Freiwilligenprogramme, inklusive Freizeitangebote und generationenübergreifende Projekte sollen Menschen dazu einladen, sich aktiv einzubringen. Die Botschaft dahinter ist klar: Inklusion ist kein Zusatzangebot, sondern Teil einer modernen Stadtgesellschaft.

Die Inklusionskampagne der Stadt Wien wird in enger Kooperation mit „Freiwillig für Wien“ umgesetzt und schafft niederschwellige Zugänge für Menschen, die sich aktiv einbringen möchten. Sichtbar ist sie sowohl im öffentlichen als auch online und auf den Social-Media-Kanälen der Stadt Wien unter wien.gv.at/inklusion.
Die Kampagne wird in enger Kooperation mit „Freiwillig für Wien“ umgesetzt und schafft niederschwellige Zugänge für Menschen, die sich aktiv einbringen möchten. Sichtbar ist sie sowohl im öffentlichen Raum als auch online und auf den Social-Media-Kanälen der Stadt Wien unter wien.gv.at/inklusion.
Service-Links
wien.gv.at: Eurovision Song Contest 2026
ORF: Eurovision Song Contest 2026
Quelle: Medienhintergrundgespräch „ESC für alle: Wien macht Inklusion erlebbar“, Wien, 8. April 2026