Die Ausstellung „Wege zur Gleichstellung. 20 Jahre Behindertenpolitik in Österreich“ des Sozialministeriums gibt einen Überblick über wichtige Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Ergänzt wird sie durch die Ausstellung „Selbstbestimmt und Teil der Geschichte! Wie sich Menschen mit Behinderungen für ihre Rechte einsetzten“ des Hauses der Geschichte Österreich (HDGÖ). Gemeinsam zeigen beide Ausstellungen, wie sich die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Österreich entwickelt haben und welchen Beitrag Betroffene und ihre Organisationen dazu leisteten.
Politik und Rechte
Die Ausstellung des Sozialministeriums dokumentiert zentrale Meilensteine der Behindertenpolitik seit dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungspakets im Jahr 2006. Sie informiert über das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz, Schlichtungsverfahren als außergerichtliche Möglichkeit bei Diskriminierung, Barrierefreiheit, Persönliche Assistenz sowie den Behindertenpass und den Parkausweis. Weitere Themen sind Unterstützungsfonds, das Sozialministeriumservice, das Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA), Integrative Betriebe sowie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und des Nationalen Aktionsplans Behinderung. Die Inhalte werden verständlich erklärt und durch Beispiele aus der Praxis ergänzt.
Geschichte der Selbstvertretung
Der zweite Ausstellungsteil entstand im Rahmen des Disability History Projects des Hauses der Geschichte Österreich (HDGÖ) und widmet sich der Geschichte der Behindertenbewegung in Österreich. Anhand von Fotografien, Dokumenten, Alltagsgegenständen und persönlichen Erinnerungen zeigt er, wie sich Menschen mit Behinderungen seit mehr als 100 Jahren für Gleichstellung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe einsetzten.
Der Rundgang beginnt mit frühen Selbsthilfegruppen der 1920er Jahre und führt über die ersten Integrationsklassen, den Einsatz gegen Gewalt in Einrichtungen und für barrierefreie Mobilität bis in die Gegenwart. Zu sehen sind unter anderem die Petition „Bus und Bahn für alle!“ aus dem Jahr 1995, Zeichnungen von Anna Magdalena Weiss über ihre Kindheit auf der Baumgartner Höhe, das Protestobjekt „Katta Klusi“ für barrierefreies Wohnen, die Protestschuhe der ME/CFS-Bewegung sowie ein Protestplakat des Vereins Ninlil zum Recht auf Liebe und Sexualität.
Ergänzend werden Themen aufgegriffen, die lange wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Dazu gehören Gewalt in Einrichtungen, das Recht auf Selbstbestimmung, Sexualität sowie der Kampf gegen gesellschaftliche Ausgrenzung. Die ausgestellten Objekte machen deutlich, dass viele Verbesserungen auf dem langjährigen Engagement von Menschen mit Behinderungen und ihren Organisationen beruhten.
Geschichte bewahren
Das Disability History Project sammelt seit 2024 Objekte, Dokumente und persönliche Geschichten zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen in Österreich. Ziel ist es, diese Perspektiven dauerhaft zu dokumentieren und als Teil der österreichischen Zeitgeschichte sichtbar zu machen. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl dieser Beiträge und verdeutlicht, dass gesellschaftlicher Wandel nicht nur durch politische Entscheidungen, sondern auch durch das Engagement vieler Menschen erreicht wurde.
Beide Ausstellungen sind im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz am Stubenring 1 in Wien zu sehen. Die Ausstellung „Wege zur Gleichstellung“ kann außerdem als Online-Ausstellung auf der Website des Sozialministeriums besucht werden.
Service Links
Sozialministerium: Ausstellung „Wege zur Gleichstellung in Österreich“, Sozialministerium
Haus der Geschichte Österreich: Web-Ausstellung „Selbst bestimmt! Wie kämpfen Menschen mit Behinderungen für Selbstbestimmung?“
Fotogalerie

Ausstellung „Wege zur Gleichstellung“ des Sozialministeriums und „Selbstbestimmt und Teil der Geschichte!“ des Hauses der Geschichte Österreich (HDGÖ) im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz in Wien. Foto: BIZEPS

Die Einführungstafel der Ausstellung „Wege zur Gleichstellung“ gibt einen Überblick über die Entwicklung der Behindertenpolitik in Österreich und erläutert den Aufbau der Ausstellung. Foto: BIZEPS

Eine Tafel der Ausstellung „Wege zur Gleichstellung“ informiert über den Nationalen Aktionsplan Behinderung und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich. Foto: BIZEPS

Eine Ausstellungstafel der Reihe „Wege zur Gleichstellung“ zeigt die Entwicklung des Sozialministeriumservice von den Anfängen bis heute. Foto: BIZEPS

Eine Ausstellungstafel der Reihe „Wege zur Gleichstellung“ erklärt das Schlichtungsverfahren nach dem Behindertengleichstellungsrecht und zeigt Ablauf sowie statistische Auswertungen. Foto: BIZEPS

Eine Ausstellungstafel der Ausstellung „Selbstbestimmt und Teil der Geschichte!“ zeigt Protestschuhe der Aktion „#MillionsMissing“ und thematisiert den Einsatz von Menschen mit ME/CFS für Anerkennung und Forschung. Foto: BIZEPS

Eine Ausstellungstafel der Ausstellung „Selbstbestimmt und Teil der Geschichte!“ zeigt ein Protestschild von Ninlil und thematisiert den Einsatz von Frauen mit Behinderungen für Selbstbestimmung, Sexualität und ein Leben frei von Gewalt. Foto: BIZEPS

Eine Ausstellungstafel der Ausstellung „Selbstbestimmt und Teil der Geschichte!“ zeigt eine Zeichnung von Anna Magdalena Weiss und berichtet über ihre Kindheit in der psychiatrischen Einrichtung Baumgartner Höhe. Foto: BIZEPS